• Gartengenuss

Birnen aus dem eigenen Garten

Süßer Hochgenuss

Birnen aus dem eigenen GartenFoto: JackF/Adobe Stock Mit kompakten Bäumen können Sie eine regelmäßige und hochwertige Ernte erzielen.

Bereits vor 3000 Jahren waren Birnen im Mittelmeerraum verbreitet und geschätzt und gehören somit zum ältesten Kulturobst. Unsere heutige Garten-Birne (Py­rus communis, auch Kul­tur-Birne genannt) ist aus Kreuzungen verschiedener eu­ropäischer und westasiatischer Wildbirnen hervorgegangen.

Birnbäume wachsen relativ stark und bilden meist eher schmale, aufrechte Kronen. Ohne Schnitt und je nach Sorte können sie eine Wuchshöhe von 15 m und mehr erreichen. Leider galten Birnbäume deshalb lange Zeit als ungeeignet für kleinere Gärten und sind ein wenig aus der Mode gekommen. Inzwischen sind aber auch kleiner bleibende Bäume erhältlich.

Birne ‘Conference’Foto: oksnemova/Adobe Stock ‘Conference’

Zum Glück: Selbst geerntete Birnen schmecken viel besser als Früchte aus dem Supermarkt. Diese werden in der Regel unreif geerntet, damit sie den Transport unbeschadet überstehen und möglichst lange haltbar sind. Hinzu kommt, dass im Handel nur sehr wenige Sorten angeboten werden, obwohl die Auswahl an schmackhaften Sorten riesig ist.

Sonnig und warm bevorzugt

Der ideale Standort für Birnen ist ein humusreicher, gleichmäßig feuchter, sandiger Lehmboden. Fast alle Sorten sind wärmeliebend und benötigen einen vollsonnigen, geschützten Platz. Ideal ist ein Platz vor einer sonnigen Hauswand, wo sich dann die Erziehung als Spalierform anbietet. Unter den Birnen gibt es aber auch einige robuste, kältetolerante Sorten, die an weniger günstigen Standorten schmackhafte Früchte ausbilden, wozu z.B. die Sorten ‘Herzogin Elsa’ und ‘Gute Graue’ gehören.

Zu den deutlich kompakteren Sorten gehören neue Züchtungen wie ‘Concorde’ oder ‘Condo’. Ihre Früchte sind zudem länger lagerfähig als viele alte Sorten, ohne dabei an Geschmack einzubüßen.

Für den Wuchs des Baumes ist die Unterlage entscheidend. Auf Sämlinge veredelte Bäume wachsen stark und kommen daher nur für Gemeinschaftsflächen infrage. Sie bilden tief reichende Wurzeln und überstehen auch mal Trockenzeiten. Besonders schmackhafte Früchte tragen schwächer wachsende Sorten auf Quittenunterlagen wie Quitte C oder Quitte Adams. Allerdings sind sie aufgrund der flacheren Wurzelbildung weniger standfest und kälteempfindlicher.

Am besten lassen Sie sich in Ihrer örtlichen Baumschule beraten. Grundsätzlich können Birnbäume auf schwach wachsenden Unterlagen zwar auch 5–6 m Höhe erreichen, sie lassen sich aber durch Schnitt auf ca. 3 m begrenzen und tragen in jedem Jahr etwa gleich viel, weil sie weniger alternieren als starkwüchsige Bäume.

Birne ‘Bunte Julibirne’Foto: mauritius images/Ottfried Schreiter imageBROKER ‘Bunte Julibirne’

Pflanzung und Pflege

Das Pflanzloch sollte etwa doppelt so groß sein wie der Durchmesser des Wurzelballens. Lockern Sie die Sohle mit einer Grabegabel und setzen Sie den Baum nicht zu tief. Die Oberfläche des Wurzelballens sollte sich auf Höhe des Bodenniveaus befinden. Decken Sie die Baumscheibe in den ersten Jahren mit Mulchmaterial wie Grasschnitt ab, damit die Erde schön feucht bleibt.

Um optimal mit Nährstoffen versorgt zu sein, brauchen Birnen jedes Frühjahr pro Baum ca. 4 l reifen Kompost, angereichert mit etwa 100 g Hornmehl. Streuen Sie diese Mischung im äußeren Bereich der Baumscheibe aus, dort befindet sich der größte Teil der Feinwurzeln. Vor allem junge Bäume müssen Sie in trockenen Sommermonaten zusätzlich wässern, sonst bleiben die Früchte klein. Um den Baum vor Rindenschäden durch Wintersonne zu schützen, können Sie die Rinde im Herbst mit einem Weißanstrich versehen.

Gute Erziehung

Mit dem richtigen Schnitt schaffen Sie die Grundlage für eine reiche Ernte. Auf schwach wachsende Quittenunterlagen veredelte Birnen können Sie, ähnlich wie Apfelbäume, als Busch- oder Spindelbäume erziehen. Auch eine Obst­hecke ist möglich.

Birnbäume auf SämlingsunterlagenFoto: mauritius images/Pitopia/Gisela Rentsch Birnbäume auf Sämlingsunterlagen werden hoch. Für kleinere Gärten eignen sich schwächer wachsende Veredelungen auf Quittenunterlagen.

Bei der Erziehung als Spindelbaum spreizen Sie alle Triebe, die noch nicht zu kräftig sind, mit Stöcken oder Gewichten in einem Winkel von mindestens 60° ab. Kräftige, steil nach oben wachsende Triebe entfernen Sie ganz, bevor sie zu Konkurrenztrieben werden. Indem Sie den Mitteltrieb und die längeren Seitentriebe leicht einkürzen, fördern Sie die Verzweigung. Die weiteren Schnittmaßnahmen beschränken sich hauptsächlich auf die Fruchtholzverjüngung. Dabei entfernen Sie das alte, stark ver­ästelte Fruchtholz, indem Sie es hinter einem jüngeren Seitenzweig abschneiden.

Für den Aufbau einer Pyramidenkrone wählen Sie am Kronenansatz drei bis vier kräftige, gut verteilte seitliche Leittriebe aus und kürzen sie um etwa ein Drittel ein. Entfernen Sie alle anderen stärkeren Seitentriebe. Den Mitteltrieb kürzen Sie so ein, dass er etwa 20 cm höher endet als die Spitzen der seitlichen Leittriebe. Auch wenn Pyramidenkronen die bevorzugte Form für stark wachsende Birnbäume sind, verursachen sie in den folgenden Jahren relativ viel Schnittaufwand. Alle nach innen wachsenden Triebe sowie alle Wasserreiser müssen entfernt werden, damit die Krone luftig bleibt.

Die Erziehung als Spalier ist für Birnen besonders beliebt. Am einfachsten umzusetzen ist ein Spalier mit waagerechten Seitenästen. Hierfür setzen Sie den jungen Baum vor ein geeignetes Spalier aus Draht oder Holz und binden die geeigneten, waagerechten Triebe herunter. Kürzen Sie die Triebe so weit ein, dass sie auf der ganzen Länge Seitenzweige und Fruchtholz bilden. Hochwachsende Triebe werden im Sommer entweder ab­gerissen oder auf kurze Zapfen gestutzt.

BirnenspalierFoto: Flora Press/GWI/John Martin Der ideale Platz für ein Birnenspalier ist eine sonnige Wand.

Der Erziehungsschnitt erfolgt bei Bir­nen in der Regel im Spätwinter. Er­hal­tungsschnitte können Sie nach der Ernte oder ebenfalls im Spätwinter vornehmen. Je später Sie im Frühjahr schneiden, desto schwächer treibt der Baum aus.

Der richtige Partner

Birne ‘Abate Fetel’Foto: womue/Adobe Stock ‘Abate Fetel’

Alle Birnensorten, auch neuere, sind selbstunfruchtbar. Sie benötigen also eine andere Sorte in der Nähe, damit die Blüten bestäubt werden und Sie im Herbst die schmackhaften Früchte ernten können. Wenn es in den Nachbargärten keinen weiteren Birnbaum gibt und sie keinen zweiten Birnbaum pflanzen möchten, können Sie auf sogenannte Duo-Bäume zurückgreifen. Sie sind ein guter Kompromiss, weil sich dann auf einem Baum bereits zwei verschiedene Sorten befinden. Erhältlich sind diese Bäume in vielen Gartencentern oder Baumschulen.

Gepflückt statt geschüttelt

Frühe Birnensorten können Sie ab Mitte Juli, späte Herbst- und Winterbirnen meist erst im September ernten. Pflücken Sie die Früchte grundsätzlich einzeln von Hand, so vermeiden Sie Druckstellen und Verletzungen, die die Lagerfähigkeit mindern. Die Früchte der frühen Sorten sollten Sie möglichst bald verzehren, während Sie die späten Sorten bis zu drei Monate lagern können (siehe Tabelle).

Dazu legen Sie die Früchte am besten in Holzkisten, die Sie an einen möglichst kühlen, dunklen Ort stellen. Lagern Sie Ihre Birnen aber niemals neben Äpfeln! Diese geben das Pflanzenhormon Ethylen ab, welches die Birnen schneller reifen und verderben lässt.

Bewährte Sorten für kleinere Gärten

Sorte
Pflückreife
Genussreife
Eigenschaften
‘Bunte Julibirne’ Mitte Juli bis Anfang August Mitte Juli bis Anfang August mittelgroße, bauchige Frucht, gelbgrün, 
kurz haltbar, fein säuerlich, saftig
‘Tristan’ Ende Juli Ende Juli bis Anfang August kleine, rot-gelbe Früchte, kurz haltbar, süß, 
saftig schmelzendes Fleisch
‘Harvest Queen’ Mitte bis Ende August Anfang bis Mitte September kleine bis mittelgroße Früchte, gelbgrüne Schale, saftig, süß, feuerbrandresistent
‘Conference’ Mitte bis Ende September ab Ende September mittelgroße Früchte, sehr saftig, süß, schmelzendes Fleisch, lagerfähig
‘Stuttgarter Geißhirtle’ Mitte bis Ende September ab Ende September zahlreiche kleine Früchte, süßes Fruchtfleisch, ­robuste, kälteunempfindliche Sorte
‘Alexander Lucas’ ab Ende September ab Ende Oktober mittelgroß, glatte grüne, später gelbe Schale, saftig süß, gut lagerfähig
‘Abate Fetel’ ab Ende September Anfang November bis Mitte Januar keulenförmige, bauchige Frucht mit gelber Schale, festes, aromatisches Fruchtfleisch, lange lagerfähig

 

 

Krankheiten und Schädlinge

Der Birnengitterrost gehört zu den häufigsten Krankheiten und ist fast an jedem Birnbaum zu finden. Gegen diese Pilzkrankheit lässt sich nur durch regelmäßige Spritzungen mit Schachtelhalmbrühe oder Schwefelpräparaten von Anfang April bis Ende Juni vorbeugen. 

Wenn der Baum bereits infiziert ist, sollten Sie zu Kupferpräparaten greifen. Auch ein Auf- bzw. Absammeln infizierter Blätter mit anschließender Entsorgung (nicht auf dem Kompost!) kann den Befall eindämmen. Achten Sie darauf, dass in der Umgebung weder Chine­sischer Wacholder (Juniperus chinensis) noch Sadebaum (Juniperus sabina) wächst – beide dienen dem Pilz als Win­terwirt.

Birnengitterrost Birnengitterrost

Weitaus schlimmer und im Hausgar­ten unheilbar ist die meldepflichtige Bakterieninfektion Feuerbrand. Sie erken­nen sie an braunschwarzen Triebspitzen, die wie verkohlt aussehen. Wenn eine Infektion auftritt, müssen die befallenen Pflanzen sofort entfernt und entsorgt werden. Ebenfalls verbreitet sind Birnenschorf oder die Birnenpockenmilbe.

Unter den tierischen Schädlingen kön­nen vor allem Wühlmäuse zum Problem werden. Sie nagen die Wurzeln ab und können junge Pflanzen so stark schädigen, dass diese eingehen. Hier empfiehlt es sich, bei einer Neupflanzung die Bäume von Anfang an in Schutzkörbe aus engmaschigem Draht zu pflanzen.

Miriam Soboll
Fachberaterin des Landesverbandes 
Niedersächsischer Gartenfreunde