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Johannisbeeren anbauen

Bunte Früchte, reiche Ernte

Schlagworte zu diesem Artikel:
  • Johanisbeeren
  • Ribes
  • Artenvielfalt

Johannisbeeren anbauenFoto: Flora Press/Spring

Ob schwarz, grün, rot, rosa oder weiß, Johannisbeeren bieten eine große Vielfalt – optisch und bei der Reifezeit, die sich von Juni bis in den August erstreckt. Während die Schwarzen Johannisbeeren (Ribes nigrum) eine eigene Art bilden, handelt es sich bei Roten, Rosa und Weißen Johannisbeeren um dieselbe Art (Ribes rubrum) mit unterschiedlichen Fruchtfarben.

TitaniaFoto: Flora Press/GWI/Floramedia ‘Titania’

Ebenso verhält es sich mit schwarzen und grünen Sorten. Auch hier sind die grünen lediglich eine Farbmutation innerhalb der Art Ribes nigrum. Die Auswahl an grünen Sorten ist relativ klein, und das Aroma ist nicht sehr ausgeprägt, zu nennen sind hierbei vor allem die Sorten ‘Venny’ und ‘Vertii’. Festzustellen ist, dass die Farbvariationen meist etwas milder in Säure und Aroma sind als die „klassischen“ roten oder schwarzen Sorten. Je nach Vorlieben kann dies ein Pro- oder Kontra-Argument sein.

Die Artunterschiede zwischen R. nigrum und R. rubrum lassen sich sehr gut im Frühjahr an den unterschiedlichen Blütenformen erkennen. Ein weiterer Anhaltspunkt ist das Wuchsverhalten. Während sich bei Roten Johannisbeeren fast alle Sorten aufgrund des aufrechten Wachstums für eine Heckenerziehung eignen, erzieht man Schwarze Johannisbeeren leichter als Strauch. Nur wenige Sorten wie ‘Super Nova’ sind für die Erziehung zu einer aufrechten Hecke geeignet.

 

Mehr Ertrag durch Sortenvielfalt

Ein Vorteil beim Anbau von Johannisbeeren ist, dass fast alle Sorten selbstfruchtbar sind. Es gibt nur sehr wenige alte Sorten bei Schwarzen Johannisbeeren, wie ‘Rosenthals Langtraubige’, die sich sehr schlecht selbst befruchten und deshalb auf Befruchtersorten angewiesen sind. Diese sind heute aber kaum noch erhältlich. Unabhängig davon steigern Sortenmischpflanzungen von Johannisbeeren den Fruchtansatz und wirken sich deshalb positiv auf Ertrag und Qualität aus.

RolanFoto: Volgenandt ‘Rolan’

Gute Voraussetzungen

Auch beim Standort sind Johannisbeeren unkompliziert. Zwar sind für optimale Erträge sonnige Lagen empfehlenswert, sie gedeihen aber ebenso im Halbschatten. Der Boden sollte locker und tiefgründig sein und nicht zu Staunässe neigen, wobei Johannisbeeren im Vergleich zu anderen Beeren hier sehr viel tolerieren.

Achten Sie jedoch auf eine ausreichende Düngung, denn nur so gelingt langfristig die stete Trieberneuerung, die entscheidend für Fruchtqualität und Erntemenge ist. Als Richtwert sollte jeder Strauch ungefähr 24 g Stickstoff erhalten. Auf organische Dünger umgerechnet, entspricht das etwa 2 l Kompost oder 0,75 l Hühnermistpellets bzw. 160 g Hornspänen, die Sie als eine Gabe im Frühjahr oder in zwei Portionen im Frühjahr und Frühsommer ausbringen.

Schneiden und erziehen

BlankaFoto: Flora Press/Visions ‘Blanka’ Ebenso wichtig wie die jährliche Düngung ist ein jährlicher Schnitt, den Sie am besten im Spätwinter (Februar bis Anfang März) durchführen. Durch den Schnitt werden die Pflanzen auf Dauer zur Neutriebbildung angeregt und vergreisen nicht. Der Schnitt unterscheidet sich entsprechend des Erziehungssystems.

Bei einer Buscherziehung werden ab dem vierten Standjahr die ältesten Bodentriebe kurz über dem Boden abgeschnitten und durch neue Bodentriebe ersetzt. Ziel sollte es sein, dass ein Strauch aus ca. acht bis zehn Bodentrieben in den unterschiedlichen Altersstufen besteht. Überzählige Bodentriebe, die nicht zur Verjüngung benötigt werden, entfernen Sie.

Bei einem Stämmchen hingegen legen Sie im Kronenbereich ungefähr sechs Leittriebe als Grundgerüst fest. Diese sollten über die gesamte Standdauer der Pflanze verbleiben, da sich aus ihnen die fruchttragenden Triebe bilden. Eine Erneuerung aus der Wurzel ist nicht möglich, da es sich bei Stämmchen um Veredelungen handelt, die nur oberhalb der Veredelungsstelle die gewünschte Sorte tragen.

Ziel sollte es sein, sechs bis acht letztjährige Triebe zu haben. Diese schneiden Sie, nachdem sie einmal getragen haben, auf einen Zapfen mit zwei bis drei Augen zurück. Aus diesem Zapfen bildet sich dann im nächsten Jahr wieder ein neuer Trieb, den Sie dann im darauffolgenden Jahr abernten und anschließend wieder auf Zapfen schneiden. Dadurch regen Sie die stetige Bildung von Neutrieben an und wirken einer Vergreisung entgegen. Jedoch ist die Lebensdauer der Stämmchen meist auf nur acht bis zehn Jahre begrenzt, da sie sich nicht wie Johannisbeerbüsche durch Bodentriebe erneuern können.

RosalinnFoto: Volgenandt ‘Rosalinn’

Die Heckenerziehung stellt die dritte Erziehungsform dar. Bei dieser Erziehung benötigen Sie unbedingt ein Gerüst, z.B. aus Holzpfählen und Spanndrähten oder Bambusstäben. Wählen Sie ein bis drei Bodentriebe pro Pflanze aus und befestigen Sie sie am Gerüst. Diese Bodentriebe sollten nach drei bis vier Jahren durch neue ersetzt werden. An den Bodentrieben bilden sich Seitentriebe, die Sie wie beim Stämmchen durch Zapfenschnitt „austauschen“, um möglichst eine gute Fruchtqualität zu erhalten. Jeder Bodentrieb sollte nicht mehr als sechs Seitentriebe besitzen, sonst droht ein Überbehang, der langfristig das Wachstum der Pflanze negativ beeinflusst.

Bewährte Sorten für den Kleingarten

Tabelle: Bewährte Sorten für den Kleingarten

Stefan Volgenandt
Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt
für Wein- und Obstbau Weinsberg