• Tiere im Garten

Fledermäuse in Kleingärten

Jäger der Nacht

Fledermäuse in KleingärtenFoto: mauritius images/Mario Cea Sanchez/VWPics/Alamy Breiflügelfledermaus

Tiervielfalt im Kleingarten

Wir bemerken sie meist nur, wenn sie an lauen Sommerabenden lautlos über unseren Köpfen flattern: Fledermäuse jagen im Verborgenen durch das Dunkel der Nacht – geheimnisvoll und faszinierend. Weltweit gibt es mehr als 1400 Arten, 24 davon kommen in Deutschland vor.
Auf ihren nächtlichen Beutezügen vertilgen sie großen Mengen an Käfern, Mücken und Nachtfaltern und helfen so, die ungehinderte Vermehrung der Insekten einzudämmen. Immerhin: Bis zu 4000 Mücken soll eine Fledermaus in einer Nacht verspeisen können.

Über den Parzellen

Großer AbendseglerFoto: mauritius images/Solvin Zankl Großer Abendsegler

Immer häufiger lassen sich die Nachtjäger auch in Kleingartenanlagen beobachten. Für ihre Jagdgebiete bevorzugen sie vielseitig strukturierte Landschaften und Gärten, Biotope in Kombination mit verschie­denen Gehölzen oder Obststreuwiesen – Strukturen, die Kleingärten ähneln.

Bei einer Studie im Jahr 2017 wurden von 15 in Schleswig-Holstein heimischen Arten mindestens zehn Arten in Kleingärten in Lübeck nachgewiesen: die Wasserfledermaus, die Große Bartfledermaus, der Kleine und der Große Abendsegler, die Breitflügelfledermaus, die Rauhautfledermaus, die Zwergfledermaus, die Mückenfledermaus, das Braune Langohr und die Zweifarbenfledermaus. In einer Kleingartenkolonie in Flensburg wurden neun Arten, in der Kleingartenkolonie Ratzeburg immerhin noch sieben Arten nachgewiesen. Die Untersuchungen zeigten, dass fast alle der nachgewiesenen Fledermausarten in den Kleingärten jagten, obwohl sie sich in verschiedenen Habitaten heimisch fühlen.

 

Das können wir tun

SpaltenkastenFoto: franconiaphoto/Adobe Stock Spaltenkasten

Wenn Sie Fledermäusen einen Lebensraum bieten möchten, gestalten Sie Ihren Kleingarten möglichst artenreich. Bevorzugen Sie dabei Pflanzen, die nachtaktive Insekten wie Nachtfalter anlocken und auch im Spätsommer/Herbst blühen, damit die Fledermäuse vor dem Winterschlaf genügend Nahrung tanken können, dazu gehören etwa die Flammenblume (Phlox paniculata) mit ihren vielen prächtigen Sorten, die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) und das Feuer-Geißblatt (Lonicera x heckrottii). Ebenso hilfreich ist es, Ecken auf Ihrer Parzelle der Natur zu überlassen, einen vielfältigen Kräutergarten anzulegen und Obstgehölze zu pflanzen.

Mit Fledermauskästen oder dem Anbieten von Höhlen, etwa in alten Obstbäumen, können Sie den Tieren ebenfalls helfen. Versuchen Sie dabei, Fledermauskästen und -höhlen in verschiedenen Ausführungen zur Verfügung zu stellen und hängen Sie neben jede Höhle einen Meisenkasten, damit die Höhle nicht von Meisen genutzt wird. Achten Sie darauf, dass der Anflug an die Kästen und Höhlen frei von Ästen gehalten wird. Fledermauskästen sind nicht schwer nachzubauen, fertige Kästen sind im Handel erhältlich.

Mit einer vielfältigen Struktur der Kleingartenanlagen bieten wir den geheimnisvollen, nächtlichen Jägern eine Zukunft und helfen beim Schutz der Fledermäuse!

Hans-Dieter Schiller
Vorsitzender des Landesverbandes ­Schleswig-Holstein der Gartenfreunde

 

„Giftfreies Gärtnern ist wichtig!“

Sebastian KolbergFoto: NABU Sebastian Kolberg

Welche Fledermäuse können wir im Kleingarten beobachten? Was können wir für sie tun? Fragen an den Fledermaus­experten Sebastian Kolberg, Referent für Artenschutz im Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Wie steht es zurzeit um die Fledermaus­bestände in Deutschland?

Die Bestände der Fleder­mäu­se gelten zu einem gro­ßen Teil als gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht, und das bereits seit den 1950er Jah­ren. Früher lag das vor allem an Chemikalien, die im Holz- oder Pflanzenschutz eingesetzt wurden, heute sorgt die Industria­lisierung der Landwirtschaft und der Forstwirt­schaft dafür, dass immer weniger Nahrung und immer weniger Unterschlupfmöglichkeiten, etwa alte Bäume, vorhanden sind. Auch die Ver­armung der Landschaftsstruktur spielt eine Rolle, ebenso dezimieren Windenergieanlagen die Bestände.

Zum Teil sind Fledermäuse Kulturfolger. Knapp die Hälfte der Arten kommen auch in Siedlungsgebieten vor. Hier machen ihnen aber zunehmend die energetischen Sanierungen zu schaf­fen, bei denen Öffnungen, also Zugänge zu Quartieren, etwa in Dachstühlen, versiegelt wer­den. Ein allgemeiner Trend lässt sich schwer beziffern, da sich Fledermäuse nur schwer beobachten lassen. Sicher ist aber, dass es nicht gut steht um die Tiere und es eher noch schlimmer wird.

Inwiefern können Kleingärten zum Fleder­mausschutz beitragen?

Kleingartenanlagen haben hier ein sehr hohes Potenzial, Fledermäusen Lebensräume zu bie­ten, da sie, im Gegensatz zu Hausgärten, über einen großen Strukturreichtum verfügen. Besonders, wenn nachtblühende Pflanzen gepflanzt werden, werden Kleingärten oft zu fes­ten Jagdgebieten von Fledermäusen. Dabei sind auch kleine Wasserflächen für die Tiere attraktiv. Und man sollte auf Pestizide verzichten, da sich diese in den Tieren konzentrieren und über die Muttermilch auch an die Jungen abgegeben werden. Giftfreies Gärtnern ist abso­lut wichtig!
Ich habe aber schon vor einigen Jahren Vorträge über Fledermäuse in Kleingartenvereinen gehalten und gemerkt, dass dort schon alles in diese Richtung geht und versucht wird, strukturreiche Gärten naturnah zu bewirtschaften.

Gut ist auch, Unterschlupfmöglichkeiten in Form von Flach- oder Höhlenkästen anzubieten. Kleine Flachkästen bieten sich für Einzel­tiere als Tagesunterschlupf an, egal, ob selbst gebaut oder aus dem Handel. Wer die Fortpflanzung unterstützen will, kann auch größere Quartiere mit mindestens 1 m Breite aufhängen, in denen mehrere Tiere einen Unterschlupf finden. Höhlenkästen gibt es in verschiedenen Varianten und Größen. Wichtig ist vor allem, dass der Baustoff unbehandelt ist und dass sie frei von Zugluft und vor Witterung geschützt sind.
Auch auf nächtliches Licht im Garten sollte man verzichten, da damit Insekten aus der Umgebung angelockt werden und Fledermäuse das Risiko auf sich nehmen müssen, im Licht zu ja­gen. Wenn ganze Quartiere angestrahlt wer­den, kann das dazu führen, dass diese aufgegeben werden. Wenn man nicht auf Licht ver­zichten möchte oder kann, sollte man darauf achten, dass dies spärlich und nach unten ge­richtet ist sowie einen geringen UV- und Blau­anteil hat.

Welche Arten können wir im Kleingarten beobachten?

In Städten wie Berlin kann man auf jeden Fall die sehr agile Zwergfledermaus beobachten, deren Spannweite etwa dem Abstand zwischen ausgestreckten Daumen und Zeigefinger entspricht. Ebenso zu sehen ist die Breitflügelfledermaus, eine der größten Arten mit ca. 40 cm Spannweite, die man daran erkennt, dass sie relativ langsam durch die Luft dümpelt. Es kommt zudem relativ häufig die Wasserfledermaus vor, die knapp über Gewässeroberflächen ihre Beute jagt, ebenso wie der Große Abendsegler, der ähnlich groß ist wie die Breitflügelfledermaus.

 

Noch Fragen oder schnelle Hilfe in Fledermausnotfällen gesucht?
 

Weitere Details zur Biologie und Ökologie oder zum fledermausfreundlichen Garten können Sie bei vielen fachkundigen Stellen finden.

www.fledermausschutz.de

www.fledermäuse-willkommen.de

www.bund.net

www.nabu.de

www.lbv.de

www.deutschewildtierstiftung.de

Baunleitung Fledermauskasten:
https://www.nabu.de/downloads/praxistipps/fledermauskasten.pdf

 

Einen Buchtipp zum Thema finden Sie hier. 

Einen weiteren Artikel zum Thema und eine Liste von Pflanzen für einen fledermausfreundlichen Garten finden Sie hier.