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Thema: 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven  (Gelesen 12,478 mal)

RobinHood

  • Gast
1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« am: 10. Oktober 2008, 01:04:00 »
Hallo Gartenfreunde und Gartenfreundinnen,
ich möchte den tendenziösen provozierenden Titel zur Diskussion stellen.

Nachdem in unserer Wächter-Gartenzeitung so wohlwollend über Sozial- und Tafelgärten berichtet wurde, sind bei den Vereinsvorständen vermehrt Begehrlichkeiten aufgetreten, lehrstehende verwahrloste Gärten auf billige Art pflegen zu lassen.
So wird in einem oldenburger Verein das zweite Arbeitsamts "Gewöhnungsprojekt" für 20 Jugendliche geplant. Junge Menschen werden zu Tätigkeiten gezwungen, die sie nicht wollen. Weigern sie sich, wird ihr Existenzminimum um 30% gekürzt.

Dies ist keine kleingärtnerische Gartennutzung zur Freude im Garten. Solche Zwangseinrichtungen sind meiner Meinung nach abzulehnen.

Gibt es bei euch schon ähnliche Projekte und könnt ihr positives/negatives berichten?
Bin gespannt auf eure Meinung.
mfGartengrüßen

gino

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« Antwort #1 am: 11. Oktober 2008, 09:35:00 »
Das ist wohl ein zweischneidiges Schwert: ob einem Arbeiter am Band seine Arbeit sooo viel Spaß macht, glaub ich auch nicht. Nicht alles im Leben macht nun mal Spaß und man muss es tun --oooder man sieht zu, wie man ohne diese Arbeit über die Runden kommt, dann natürlich mit Einschränkungen und ohne Hilfe durch den Steuerzahler.
Zum Anderen empfinde ich ALLE 1€ Jobs als Ausbeutung, soll man doch allen Menschen eine Arbeit geben, von denen man leben kann. Aber das ist ja nicht mal mehr mit Fulltimejobs möglich.
Nun zur konkreten Frage: aus eigener Erfahrung würde ich niemals 20 junge Leute gezwungenermaßen in einen Kleingartenverein schicken- das ruft ja geradezu nach Vandlismus/ Diebstahl nach Feierabend. Am Tage kann man orten und am Abend geht man los. Wie gesagt: eigene Erfahrungen!!! Nicht nur Vorurteil. gino

RobinHood

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« Antwort #2 am: 11. Oktober 2008, 12:35:00 »
Hallo Gino,
Dank für dein Posting. In welchem Bundesland/Stadt hast du deinen Garten?
mfGartengrüßen

gino

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« Antwort #3 am: 11. Oktober 2008, 19:59:00 »
In Sachsen- Anhalt. Diese Tafelgärten sind auch bei uns der neueste Trend- in unserer Anlage werden 2 Gärten so bewirtschaftet.
Ich muss sagen, im Augenblick sind pro Garten 3 Leute eingeteilt, so mittleres Alter und wir sind damit ganz zufrieden.
Ein leerstehender  Garten wird vom benachbarten Kindergarten bearbeitet(sprich vor allem von dessen Hausmeister) Ist auch okay, die Kleinen haben viel Freude und freuen sich über jedes Radieschen. gino

Uwe

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« Antwort #4 am: 11. Oktober 2008, 23:32:00 »
Hallo Gartenfreunde

In Erster Linie gebe ich Gino in allen Punkten Recht. Ich muß dazu aber sagen das die HartzIV Regelung von der Politik kommt und nicht von den Vorsitzenden des einzelnen Klgv. Dennoch ist es, meiner Meinung nach, ein Fehlverhalten des Vorstandes das freie Gärten verwahrlosen. Denn in erster Linie sind für solche Gärten der abgehende Pächter oder letztendlich der Vorstand dafür verantwortlich. Wenn einige Klgv oder Vorstände von den 1€Jobber profitiern dann läuft da im Verein was verkehrt.
Deshalb eine Bitte, Lieber RobinHood, schere nicht alle Vorsitzende über einen Kamm. Denn ich bin selber Vorsitzender eines Vereins und bei uns wird alles in Vereinsarbeit gemacht und ich bereichere mich auch nicht an zuviel gezahlter Pachten, wenn du verstehst was ich meine.

Gruß Uwe

RobinHood

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« Antwort #5 am: 12. Oktober 2008, 11:12:00 »
Hallo Uwe, Gartenfreunde und Gartenfreundinnen,
Dank für deine Stellungnahme.

Verstoßen nicht 1€ Verpachtungen gegen Kleingartenregeln, Überlassung an dritte? Der Chef des Arbeitsamt ist Pächter und überlässt die Gartennutzung 1€ Sklaven, ich glaube das der Chef nicht selber gärtnert.

Wie ist der rechtliche Rahmen zu sehen?

Meiner Meinung nach besteht nur die Möglichkeit für 1€ Beschäftigung, wenn dieser ALG2 Mensch einen Garten in der Anlage besitzt und für 1€ Vereinsarbeit machen möchte, anstatt im Möbellager seinen Hartz4-Dienst abzuleisten.

Äußern sich in diesem Wächter Verlags Forum eigentlich auch mal höher Funktionsträger der Bezirke/Länder/Bundes ?

Gibt es auf den offiziellen Kleingartenseiten Diskussionmöglichkeiten?

Über weiter Beiträge würde ich mich freuen.

mfGartengrüßen aus Oldenburg

Tom

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« Antwort #6 am: 13. Oktober 2008, 21:38:00 »
Hallo!
Wir hatten einen Gartenfreund,über 50,der gerne einen 1€ Job machen wollte im Gartenverein.Er wollte wieder zu was nütze sein und bekam Lob und Anerkennung der Gartenfreunde für seine Tätigkeit.Vom Arbeitsamt mußten wir einen anderen noch dazu einstellen.Da wir mehrere Arbeitslose zur Auswahl hatten, fragten wir natürlich ob sie wirklich Interesse haben.Wir entschieden uns für einen Behinderten,der so froh war wieder gebraucht zu werden.Die 2 waren viel zu fleißig,man konnte sie kaum bremsen.Respekt vor ihrer Leistung.Der Gartenfreund brachte dem Behinderten nebenbei noch handwerkliche Fähigkeiten bei.Ein Arbeitgeber stellt auch nicht gern Leute ein die nur zu Hause rumgammeln. Arbeitslose sind so froh gebraucht zu werden,um nicht vor der Glotze zu vergammeln und sich somit immer mehr zu isolieren.Kontakte sind dann so wichtig.Und die zusätzlichen 80€ im Monat werden auch gebraucht.Was sie angebaut hatten,konnten sie auch ernten.Welcher Job ist heut schon sicher,jeder kann in so eine Lage kommen.
Wer fragt danach, wenn die Leute auf der Straße und in Grünflächenanlagen arbeiten,ohne sanitären Einrichtungen?Früher waren das Arbeitsplätze, warum können die nicht geschaffen werden?Aber jetzt schweife ich ab.
Tom

RobinHood

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« Antwort #7 am: 14. Oktober 2008, 11:36:00 »
Hallo Tom, Gartenfreunde und Gartenfreundinnen,
Dank für deine Stellungnahme.
Schön zu hören von eurer 1€ Stelle. So ist es, glaube ich, eine gute Sache.
Habt ihr eine Sanitärmöglichkeit von Amtswegen benötigt? Wer kontrolliert vom Amt, ob auch die Arbeitszeiten eingehalten werden? Gab es sonst Auflagen vom Verein zu erfüllen? In welchem Bundesland/Ort ist es gewesen.

Wenn unsere Steuern nicht "verbrannt" würden für IKB/Staats- und andere Bankenpleiten, Telekom/Siemens-Manager/Schmiergelderkoffer in Lichtenstein/Parlamentarier (eigentlich Palavmentarier abgeleiteter Wortstamm von Palaver) Aufwandsentschädigungen (auch Vereinsfunktionsträger), "Privatisierung", 43 statt 35 Std. Woche, hätte sich 1€ erledigt. Manchmal gucke auch ich über den Gartenzaun und schweife ab.

Über weitere Beiträge würde ich mich freuen.
mfGartengrüßen aus Oldenburg

Annett

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« Antwort #8 am: 16. Oktober 2008, 12:43:00 »
Eure Beiträge dazu waren sehr interessant. In unserer Anlage gibt es schon eine Warteliste, da wir immer voll sind, da stellt sich das Problem nicht. Natürlich wurde aber auch im Vorstand darüber diskutiert, die Arbeitseinsatzstunden als 1€ Job zu vergeben. Wenn ich Arbeitslosengeld 2 Empfänger wäre, wäre ich froh über das Angebot, allerdings je mehr AG und andere Unternehmen so etwas anbieten, je mehr werden die Menschen in die Armut getrieben, die Dreistigkeit der Wirtschaft kennt jetzt schon keine Grenzen mehr, die Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt nehmen immer mehr ab und deswegen wäre ich dagegen 1 Euro Jobs zu vergeben.

christian

  • Gast
1€ Hartz4ler als lukrative Sklaven
« Antwort #9 am: 16. Oktober 2008, 13:29:00 »
Daß sich Vereine und Organisationen für 1-€-Jobber interessieren hat oftmals auch rein finanzielle Gründe. Denn die Arbeiten von einem Unternehmer oder Mitarbeiter erledigen zu lassen, würde Geld kosten, während der 1-€-Job richtig viel Geld in die Kasse spült. Maßnahmeträger erhalten oft mehr als 700,- € pro Monat und 1-€-job als "Regiekostenerstattung" geschenkt, von denen dann (hier in Bremen) lediglich 50 cent bis 1 € pro Stunde an den Arbeitslosen gehen. Der Rest fließt bei den "Maßnahmeträgern" in Kasse und wird meist in Immobilien angelegt. In Bremen sind die alte Ziegelfabrik, daß Packhaus im Schnoor und ähnliches Beispiele für diese Immobilengeschäfte mit den Einnahmen durch Vergabe von 1-€-Zwangsarbeitsstellen.

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt es ebensowenig wie Streikrecht, Urlaubsgeld oder Mitsprache im Betriebsrat, denn es besteht ja kein Arbeitsverhältnis!

Oh schöne neue Welt!

Tom

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als lukrative Sklaven
« Antwort #10 am: 16. Oktober 2008, 22:16:00 »
Hallo Christian!
Ja du hast Recht.Das fanden wir auch bedauerlich,das der Maßnahmeträger bei uns sich einen fetten machte von den Geldern der 1 € Jober, da wurden super Anschaffungen gemacht, aber das kontrolliert doch keiner.Wir als Gartenverein hatten nichts von den Geldern.Aber wir konnten diese Menschen wieder aufbauen und ihnen Mut machen.
Die Oberen kassieren nach wie vor,keiner wills wissen.

christian

  • Gast
Als Trost: Geld kann man nicht essen, Gemüse schon
« Antwort #11 am: 17. Oktober 2008, 14:04:00 »
Da neben der Weltwirtschaftskrise für die Zeit ab etwa 2009/2011 als Ergebnis des "Biosprit" auch in der BRD mit einer schwerwiegenden Hungersnot gerechnet wird, tröstet mich, daß die ganzen Oberen, die sich u.a. an 1-€-Jobs bereichern zu dumm und zu faul sind, sich ihre Lebensmittel selbst anzubauen.

Quellen über unvermeidlichen Hunger in Deutschland:

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Lebensmittel-Teuerung;art271,2356302

http://www.brauer-bund.de/presse/pressetexte.php3?id=494

RobinHood

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« Antwort #12 am: 17. Oktober 2008, 18:54:00 »
Hallo Annett, Christian,Tom, Gartenfreunde und Gartenfreundinnen,
Dank für eure Stellungnahmen.

Wie sind die Namen der 1€ Maßnahmeträger? Kann man noch ungestraft Roß und Reiter nennen?

Die ARGEn machen sich die Hände nicht mehr schmutzig mit dem Betrieb der Arbeitslager. Willige Institutionen erledigen dieses. Haben sich in den 30er Jahren nicht auch viele beteiligt?


In Oldenburg fungiert u.A. AWO (Möbellager), DEKRA (bekannt für Auto/Staplerscheine) mit den Toys Comanys (>13 in Norddeutschland) als Reiter. Gepeitscht wird gerne auf die 1€ Jober (3x verspätet, Meldung an ARGE-30% Kürzung des Existenzminimums :-()  

In Oldenburg hatte die Toys den (pädophilen)Slogan "Wir machen Kinder glücklich". Gepasst hätte besser "Arbeit macht frei". Brauner Sumpf Nein Danke!

Auf diese Art sollten unsere Gartenvereine nicht mitmachen !

Interessante Angebote und Bezugsgruppen für 1€ Jober und nur auf freiwilliger Basis ohne Sanktionen!

Für historische Wahrheiten und Information empfehle ich DIZ Papenburg (www.diz-emslandlager.de)


mfGartengrüßen aus Oldenburg

Tom

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« Antwort #13 am: 17. Oktober 2008, 19:54:00 »
Hallo RobinHood!
Deine Pfeile brauchst nicht abzuschießen,denn du kannst sowieso nichts ausrichten.Ja Maßnahmeträger war der Kreisverband der Kleingärtner Leipzig. Und staune, zur Vollversammlung wurden keine Einkommen und Verwendung dieser Gelder genannt.
Wir sind da nur kleine Lichter gegen die Machenschaften der Oberen.Das Arbeitsamt kontrolliert diese Gelder nicht oder werden dafür gefälschte Rechnungen vorgelegt?Was soll uns passieren, wenn wir es aufdecken? Der gartenverein wird aufgelöst,weil sich keiner für das Amt des Vorsitzenden findet.Und Manipulationen sind doch geduldet, siehe untere Beiträge,Stadtverband, da geht lieber die Kassiererin. Hut ab vor dieser Frau.Der Chef besch..., alles wird aufgedeckt, er wird wieder gewählt.In Zukunft ist er vorsichtiger oder schaut sich nebenbei nach Ehrenämtern um, damit er sich sein 2. Standbein schafft.
Schau dir mal die interessanten unteren (zurückblättern) Beiträge an, wie zufällig brennen da Lauben ab.
Also Angst nee, nur informieren oder weiterbilden?
Tom

Uwe

  • Gast
Re : 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven
« Antwort #14 am: 17. Oktober 2008, 21:31:00 »
 RobinHood

Auch mir kommt es so vor als wenn du eine Revolution starten wilst. Dies kann aber nicht in so ein kleinen Forum, wie hier, funktionieren. Du solltest am besten mit genügend Mitstreitern in Berlin versuchen, denn dort werden die Gesetze gemacht.

Gruß Uwe

 

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