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Thema: 1€ Hartz4ler als billige Gartensklaven  (Gelesen 12,371 mal)

Elke

  • Gast
Re : Als Trost: Geld kann man nicht essen, Gemüse schon
« Antwort #15 am: 19. Oktober 2008, 18:19:00 »
Habt all Ihr Schreiber zu diesem Thema der 1€-Jobber schon mal genaueren Einblick in die Maßnahmeträger gehabt? Auch in meinem Verein gab es 2 Jahre lang 1€-Jobber und diese Stellen waren heiß begehrt. Wir konnten alle Stellen mit eigenen Gartenfreunden besetzen. Dieses Jahr haben wir die Tafelgärtner in unserer Anlage und würden lieber wieder auf die 1€-Jobber zurück greifen. Die waren mit mehr Elan bei der Sache. Meine Leute waren glücklich, in der verordneten Zwangspause vom Arbeitsleben etwas sinnvolles tun zu können. Woher hat ?? die Info, dass der Maßnahmeträger pro Monat/ 1€-Jobber 700 Euro bekommt? Es gibt zumindest in Leipzig nicht mal ein Zehntel davon. Und davon muss der Maßnahmeträger Versicherung, Berufsgenossenschaft,Arbeitskleidung, Verwaltung der Leute bezahlen. Und es muss auch jemand regelmäßig in die Gartenvereine fahren um dort Gespräche mit den Vorständen und den Teilnehmern zu führen.
Beim Arbeitsamt muss jeder Cent der Verwaltungskosten nach strengen Vorgaben abgerechnet werden. Wenn Ihr so neidisch auf die Maßnahmeträger seid, dann habt Ihr ja die Möglichkeit selbst als Maßnahmeträger mit eurem Verein aufzutreten und die Maßnahmen zu beantragen und durchzuführen. Viel Spaß dabei, mal sehen ob Ihr dies ein zweites mal macht.

Viele Grüße
Elke

christian

  • Gast
Re : Als Trost: Geld kann man nicht essen, Gemüse
« Antwort #16 am: 20. Oktober 2008, 09:04:00 »
Die Information über die Höhe der bezahlten Regiekosten habe ich aus erster Hand. Erstens dadurch, daß ich selbst mal einen 1-€-Job machte und mich informierte, was so über die Konten geht. Zweitens von der Stelle, die hier in Bremen die 1-€-Jobs verwaltet, der Bremer Arbeit GmbH, die diese Informationen auf ihrer Homepage offenlegte.
So einfach an diese Gelder zu kommen ist es nicht, man muss nicht nur Verein sein, sondern auch im richtigen "Netzwerk", um gefördert zu werden.
Warum werden für die von Zwangsarbeitern verrichteten Tätigkeiten denn nicht reguläre Stellen bezahlt? Die Arbeiten sind immerhin im Interesse der Allgemeinheit, und die wird ja wohl ein Interesse an menschenwürdigen Arbeitsplätzen haben, was die 1-€-Jobs ja nun wirklich nicht sind! Das Geld ist da! Denn sonst würden Maßnahmeträger nicht so viele Immobilien kaufen!

robinhood

  • Gast
Re : Als Trost: Geld kann man nicht essen, Gemüse schon
« Antwort #17 am: 22. Oktober 2008, 22:26:00 »
Dank euch für die postings,
Elke, wie hat eure Praxis ausgesehen? Haben sich die Jobber um 8Uhr im Vereinsheim getroffen und dann vom Vorstand Arbeitsaufträge erhalten (Dienst-Fachaufsicht)? Gabs Sanitär/Aufenthalträume? Wer hat die Arbeitszeiten kontrolliert und gab es ALG2-Kürzungen wegen Fehlverhalten etc.? Wieviel Personen waren es, haben einige nach dem halben Jahr verlängert? Warum habt ihr keine Jobber mehr? Bin an deinen Erfahrungen sehr interessiert.
mfGartengrüßen aus Ol

Elke

  • Gast
Re : Als Trost: Geld kann man nicht essen, Gemüse schon
« Antwort #18 am: 29. Oktober 2008, 15:40:00 »
Hallo robinhood,
ich spreche aus Erfahrung da ich 2 Durchgänge der 1Eurojobber über den Kreisverband betreut habe.
Dieses Jahr hat die ARGE Leipzig den Tafelgärtnern (ABM-Maßnahmen)den Vorzug gegeben.
Bei uns war es so geregelt, dass die Vereinsvorstände die Arbeiten eingeteilt und auch beaufsichtigt haben. Ich bin zur großen Kontrolle so alle 2-3 Wochen dahin gefahren und hab mit den Teilnehmern und den Vorständen gesprochen. Wir hatten das Glück dass unsere Maßnahmen überwiegend mit eigenen Gartenfreunden besetzt waren und diese so ihre eigenen Toiletten nutzen konnten. Ansonsten war der Verein für Toiletten zuständig. Und das es einen Aufentshaltsraum geben sollte versteht sich auch (z.B. für starke Regenfälle). Ansonsten gabs ja keine offizielle Pause bei 20 Wochenstunden.
Da in unseren Maßnahmen alles Frei- und damit arbeitswillige waren gabs keine Kürzungen.
Nun hoffen wir mal dass es nächstes Jahr wieder 1Euro-Jobber gibt. Ist schließlich Bundestagswahl und da muss die Arbeitslosenstatistik runter.
Ich muss sagen dass die 1Euroleutchen, die der Vorstandskontrolle unterstanden bedeutend fleißiger waren als jetzt die Tafelgärtner. da haben wir kein Mitspracherecht und wenn wir uns über die ausgedehnten Pausen beschweren heisst es nur dass die Leute doch ganz fleißig sind. Naja, bin da anderer Meinung.
Ich selbst bin ja Vorsitzende eines Vereines und bin Hausfrau und hab den Großteil des Sommers im garten verbracht. Dadurch kann ich mir jetzt auch ein Urteil zur Arbeitszeitnutzung erlauben.

MFG Elke

robinhood

  • Gast
Re : Als Trost: Geld kann man nicht essen, Gemüse schon
« Antwort #19 am: 02. November 2008, 22:08:00 »
Hallo Elke, ich danke dir für deine ausführliche Darstellung. Ich wünsche allen 1€ Jobbern soziale Kapos.
mfGartengrüßen aus Oldenburg/Emsland

 

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