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  • Gartengenuss

Grünkohl anbauen

Klassiker mit Zukunft

Grünkohl anbauenFoto: mauritius images/Pitopia/jochen


Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica), auch Braunkohl oder Federkohl genannt, zählt zu den ältesten Kohlarten und wurde bereits zur Römerzeit im Mittelmeerraum angebaut. Bei uns gilt die „Palme des Nordens“ u.a. als traditionelles norddeutsches Wintergemüse und wird als „Kohl mit Pinkel“ geschätzt. Doch hat sich „Kale“ inzwischen in den USA und Europa auch zum Trendgemüse junger Großstädter entwickelt. Sie verzehren ihn in Form von Smoothies oder Gemüsechips – und sogar Sterne-Restaurants tischen Grünkohl auf.

Das robuste Wintergemüse ist reich an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Wertvoll ist auch sein Gehalt an Senföl-Glycosiden, schwefelhaltige Verbindungen, die für das scharfe und leicht bittere Aroma vieler Kohlarten und anderer Kreuzblütler wie Senf oder Rettich sorgen. Da einige Inhaltsstoffe hitzeempfindlich sind, bietet es Vorteile, Grünkohl roh als Salat oder Smoothie zuzubereiten. Doch auch wenn Sie das Gemüse kurz und schonend garen, können Sie daraus gesunde und aromatische Gerichte zaubern.

Grünkohl ist zweijährig und frosthart. Er verträgt Temperaturen bis –8 °C, bei Schneebedeckung auch darunter. Im ersten Jahr formt die Pflanze einen Strunk und krause Blätter, im zweiten Jahr folgt die Blüten- und Samenbildung.


Kohlhernie liegt auf der Lauer

Für den Anbau sind die meisten kalkhaltigen Böden gut geeignet, vorausgesetzt, sie neigen nicht zu Staunässe. Am förderlichsten sind humusreiche Lehmböden mit einem pH-Wert von über 6,5. Bei sauren Böden steigt die Gefahr einer Infektion mit Kohlhernie. Der Standort sollte zudem sonnig bis halbschattig sein.

In der saisonalen Kulturfolge kann Grünkohl als Haupt- oder Nachfrucht stehen. In der jährlichen Fruchtfolge müssen Sie auf ausreichende Anbaupausen achten, da Kohl unverträglich mit sich selbst und anderen Kohlgewächsen ist. Frühestens nach vier Jahren sollten Kohlgewächse wieder auf demselben Beet stehen. Anderenfalls drohen verschiedene Fruchtfolgekrankheiten, allen voran Kohlhernie. Während es bei Weißkohl, Chinakohl und Blumenkohl bereits Kohl­her­nie­to­le­ran­te Sorten gibt, lässt dies bei Grünkohl noch auf sich warten.


‘Winnetou’ trifft ‘Scarlet’

Im Vergleich etwa mit Fruchtgemüse ist die Sortenvielfalt bei Grünkohl überschaubar. Leichte Sortenunterschiede bestehen in der Frosthärte, der Wuchshöhe und in der Blattkräuselung und -färbung. Als samenfeste, sehr frostsichere Standardsorten empfehlen sich ‘Halbhoher Grüner Krauser’, ‘Lerchenzungen’ und ‘Westländer Winter’. Neuer­dings ergänzen auch F1-Züchtungen wie ‘Winnetou’ F1 oder ‘Winterbor’ F1 das Sortiment. Die alte samenfeste Sorte ‘Niedriger Grüner Krauser’ wächst kompakt, während sich die ‘Ostfriesische Palme’ auf mächtige 1,80 m Höhe entwickelt.


Rotlaubige SortenFoto: Dina Am/Shutterstock Rotlaubige Sorten bringen Farbe ins Gemüsebeet.


Für farbliche Abwechslung im Gemüsebeet sorgen rotlaubige Sorten wie ‘Redbor’ F1, ‘Halbhoher Roter Krauser’ oder ‘Scarlet’. Sie machen auch als Strukturpflanze im Staudenbeet eine gute Figur. Ihre typische Färbung verliert sich allerdings beim Kochen.


Viel Sticksoff und viel Platz

Pflanzfertige SetzlingeFoto: mauritius images/Panther Media GmbH/Alamy/Alamy Stock Photos Pflanzfertige Setzlinge Da Grünkohl durch große Pflanzabstände viel Platz im Beet einnimmt, ziehen Sie die Jungpflanzen besser in Töpfen vor, statt sie direkt ins Beet zu säen. Planen Sie für die Anzucht etwa vier Wochen ein. Sie ist im Sommer wenig anspruchsvoll und kann im Freien erfolgen. Am besten pikieren Sie die Sämlinge fünf bis sechs Tage nach der Aussaat in Anzuchtplatten mit Anzuchterde. Die Pflanzen sollten tief, bis zu den Keimblättern, in der Erde stehen. Alternativ können Sie die fertigen Setzlinge in der örtlichen Gärtnerei oder im Gartencenter kaufen. Pflanzen Sie die Setz­linge für die Herbsternte im Zeitraum von Anfang Juni bis Mitte Juli ins Beet.


GrünkohlernteFoto: sutlafk/Shutterstock Ernten Sie Grünkohl von September bis März.


Der günstige Pflanzabstand beträgt 50 x 50 cm, was einem Pflanzenbedarf von vier Pflanzen je m² entspricht. Setzen Sie die Pflanzen möglichst tief, das erhöht den Anteil an Adventivwurzeln und verbessert die spätere Standfestigkeit. Wegen des weiten Pflanzabstands eignen sich Grünkohlbeete auch für eine Mischkultur, z.B. mit schnell wachsenden Schnitt­salat-Arten.

Als Blattgewächs und Mittelstarkzehrer benötigt Grünkohl eine ausreichende Stick­stoff­ver­sor­gung. Vor der Pflanzung bringen Sie eine leichte Grunddüngung mit Hornmehl (60 g/m²) aus und arbeiten sie flach in den Boden ein. In den meisten Kleingärten sind die Böden durch hohe Kompostgaben ausreichend mit Phosphat und Kali versorgt, daher sollten Sie keine Volldünger einsetzen. Zur Nachdüngung fünf bis sechs Wochen später können Sie bei Bedarf nochmals 60 g/m² Horndünger verabreichen.


Laufend pflegen, lange ernten

Unkrautzupfen, Gießen sowie Schädlingskontrolle stehen regelmäßig auf dem Plan. Kohlpflanzen sind bei vielen Insekten sehr beliebt, entsprechend lang ist die Gefahrenliste. Neben Erdflöhen, Blattläusen und den Maden der Kohlfliege schädigen vor allem die Raupen sämtlicher Kohl­schmet­ter­lin­ge, wie den Kohlweißling, und die Kohlmottenschildlaus, auch Weiße Fliege genannt, die Pflanzen.


KohlweißlingraupeFoto: effe64/Adobe Stock Die Raupen des Kohlweißlings haben einen großen Appetit.


Letztere sitzt in Massen bevorzugt auf der Blattunterseite und schädigt durch Saugen und die Produktion von Honigtau. In der Folge siedeln sich dann Schwärzepilze an, wodurch die Blätter mit einem grauschwarzen Schmutz­belag überzogen werden. In milderen Wintern vermag die Kohlmottenschildlaus auf Grünkohl zahlreich zu überwintern.

Vorbeugend sollten Sie schon ab der Pflanzung Ihr Beet gegen sämtliche Schädlinge mit einem rundum geschlossenen Kulturschutznetz schützen. Für Pflege­arbeiten wie Unkrauthacken oder Düngen nehmen Sie das Netz kurz ab und legen es anschließend sofort wieder auf. Auch Spritzungen mit ökologischer ­Kaliseife reduzieren den Insektenbefall. Dafür müssen Sie aber auch die Blattunterseiten gründlich benetzen. Eine Wartezeit ist danach nicht erforderlich.

Mit der Ernte können Sie im September beginnen und durch den Winter bis zum März wei­ter­ernten. Niedrige Temperaturen (unter 6 °C) verbessern den Geschmack, das Blattgemüse ist dann süßer und weniger bitter. Frost vor der Ernte ist, anders als oft behauptet, aber nicht nötig. Schneiden oder streifen Sie am besten einzelne Blätter ab. So können Sie die Pflanzen mehrmals beernten und Grünkohl stets frisch in der Küche zubereiten.

Thomas Jaksch
Dipl.-Ing. Gartenbau (FH), ehemaliger Betriebsleiter 
Gemüsebau, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

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