Kent & Stowe
  • Gartengenuss

Tomaten selbst ziehen

Guter Start für eine bunte Ernte

Tomaten selbst ziehenFoto: Christian BERND/Adobe Stock

Vollaromatisch, saftig, würzig und fest, das sind die Ansprüche, die eine Tomate erfüllen muss, wenn sie den Genießergaumen erfreuen soll. Diese Eigenschaften bringen unzählige Sorten mit, darunter auch ausgefallene Raritäten. Neben den inneren Werten ist auch der unglaubliche Farben- und Formenreichtum auffallend. So reicht die Farbpalette von Cremefarben, Hellgelb, Zitronengelb über Orangerot, Scharlachrot, Braunrot, Rosa und Violett bis zu Hellgrün und streifigem Grün. Die Formenvielfalt steht dem in nichts nach. Diese unglaubliche Vielfalt selbst auszuprobieren, ist eine lohnenswerte Herausforderung.

Qual der Sortenwahl

Damit Tomaten im Handel die Transportwege überstehen, müssen die Sorten für den Erwerbsanbau zuallererst fest sein. Leider scheinen Festigkeit und Aromaarmut genetisch gekoppelt zu sein. Beim Anbau im eigenen Garten gibt es keine langen Transportwege – die Sorte muss also weder sehr fest sein noch vor der Vollreife geerntet werden. Sie können daher gezielt schmackhafte Sorten wählen und die Früchte an der Pflanze ausreifen lassen, sodass sich die sortentypische Aromafülle entwickelt.

Tomaten JungpflanzenFoto: Родион Бондаренко/Adobe StockDoch selbst, wenn Sie Samen einer Standardsorte aus dem Erwerbssortiment aussäen, können Sie manchmal erstaunliche Erfahrungen machen: Es zeigt sich immer wieder, dass diese Sorten im eigenen Garten ungewohnt fruch­tig schmecken. Das liegt am Erntezeitpunkt: Die Früchte für den Handel wer­den deutlich vor der Reife geerntet, um die Transportwege und Regallagerzeiten zu überstehen.

Wenn Sie die Mühe nicht scheuen, wählen Sie jedoch gleich eine von Natur aus mit reichem Aroma ausgestattete Sorte, diese müssen Sie dann allerdings vielfach selbst ziehen, weil solche intensiven Geschmacksträger meist nur in Form von Saatgut verfügbar sind. Sind Sie dazu bereit, steht Ihnen eine große Auswahl interessanter Neuzüchtungen und wiederentdeckter alter Sorten zur Verfügung.

Möchten Sie dagegen eine sichere, reiche Ernte und eventuell sogar etliches davon einkochen, brauchen Sie zudem erprobte Ertragssorten, vor allem, wenn der Garten nur wenig Platz bietet. Diese lassen sich in gut sortierten Gärtnereien häufig auch als veredelte Jungpflanzen finden. Die derzeit robustesten, seit vielen Jahren in der Resistenz gegen Kraut- und Braunfäule bewährten sind die F1-Hybriden ‘Philovita’ (Cocktailtomate), ‘Phantasia’ (Rundtomate) und ‘Philona’ (Fleischtomate), alle hoch ertragreich und gesund bis in den Oktober hinein. Auch die ovale Cocktailtomate ‘Dasher’ ist recht robust und hoch ertragreich. Ausreichend fruchtbar und zugleich aromatisch ist aus dem Rari­tätensortiment die hübsch geflammte ‘Tigerella’.

Aussäen und pikieren

Auch mit optimal keimfähigem Saatgut ist etwas Fingerspitzengefühl erforderlich, damit sich aus den Samen kräftige und gesunde Jungpflanzen entwickeln. Die wichtigsten Voraussetzungen sind ein wirklich heller Platz und die richtige Keimtemperatur.

Da von der Aussaat bis zur Pflanzung zwei volle Monate verstreichen, hängt der Aussaattermin vom geplanten Pflanzzeitpunkt ab. In milden Regionen können die Jungpflanzen Ende April ins Freiland – dann können Sie schon in den letzten Februar- oder ersten Märztagen aussäen. Das gilt auch für Gewächshaustomaten in weniger günstigen Regionen. Sind Spätfröste zu befürchten, liegt der Pflanzzeitpunkt nach den Eisheiligen, also Mitte Mai. Dann sollte die Aussaat in der zweiten Märzwoche erfolgen.

(1) Für die Aussaat empfiehlt sich spezielle Anzuchterde, nährstoffarme Blumenerde oder ungedüngter, keimfrei gemachter Gartenboden ist auch möglich. Die ausgesäten Samen dürfen maximal 5 mm dick mit Erde bedeckt sein. Vorsichtiges Andrücken und Angießen mit lauwarmem Wasser sind die nächsten Arbeitsschritte. Die optimale Keimtemperatur liegt bei 22 bis 25 °C, sie sollte nicht unter 20 °C sinken, dann keimen (2) nach ein bis zwei Wochen die Samen.

(3) Die ersten Keimlinge im Anzuchtgefäß entwickeln sich meist zu den fruchtbarsten Pflanzen. Wenn Sie diese rasch pikieren, also in eine neue Pflanzschale, Multitopfplatte oder kleine Töpfchen mit nährstoffhaltiger Blumenerde vereinzeln, erhalten Sie optimale Jungpflanzen.

Jungpflanzen pflegen

(4) Von nun an ist es wichtig, dass die Pflanzen viel Licht bekommen und die Raumtemperatur tagsüber 20 bis 22 °C, nachts möglichst um 16 bis 18 °C beträgt. Alle zwei Wochen sind die Pikierlinge für eine schwache Düngerlösung dankbar. Gleichmäßig feuchte, aber nicht zu nasse Erde bekommt ihnen am besten. Auch viel Licht bleibt unverändert ein unabdingbarer Wachstumsfaktor. Werden die jungen Tomaten zu dunkel gehalten, entwickeln sich nur lange, schwache Pflänzchen.

(5) Sind je nach Region Ende April bis Mitte Mai keine Nachtfröste mehr zu erwarten, kommen die Zöglinge ins Freiland. Stellen Sie bis dahin die Pflänzchen bei passender Witterung ruhig ab und zu ins Freie, damit sie sich an die Bedingungen unter freiem Himmel gewöhnen.


Gesunde Jungpflanzen haben dunkelgrüne, intakte Keimblätter – das sind die beiden untersten, ungefiederten Blätter – und einen kompakten Wuchs, sodass sie in diesem Entwicklungsstadium noch ohne Stütze stehen können. Bestenfalls ist sogar schon der erste Blütenstand zu se­hen. So sollten auch zugekaufte Pflanzen aussehen, denn kräftige und gesundes Jungpflanzen sind die Basis für eine reiche Ernte.

Ob Sie nun ertragreiche, robuste Standardsorten suchen oder ausgefallene Raritäten, bei den zahlreichen Spezialsaatgut-Anbietern werden Sie gleichermaßen fündig.

Dr. Helga Buchter-Weisbrodt

 

Einteilungskriterien für Tomatensorten

Tomatensorten lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen. Sortenkundler differenzieren zunächst nach der Farbe der unreifen Frucht in geflammt und ungeflammt. Erstere zeigen am Kelchende vor der Reife dunkelgrüne Streifen, ungeflammte Sorten sind dagegen einheitlich grün und werden auch als „Hellfruchttyp“ bezeichnet. Hellfrucht bezieht sich also nicht auf die Rotintensität der reifen Frucht, sondern auf die Grünfärbung vor der Reife.
Die Fruchtgröße hängt von der Anzahl der Fruchtkammern ab. Danach lassen sich vier Gruppen untergliedern:

  • Fleischtomaten sind groß, flachrund, teilweise auch leicht gefurcht und haben mindestens vier, meist aber acht bis zehn Fruchtkammern.
  • Übergangs- oder Zwischentypen bilden drei bis fünf Kammern aus und sind rundlicher als Fleischtomaten.
  • Rund- oder Kugeltomaten haben meist zwei, manchmal auch drei Fruchtkammern, sind gleichmäßig rund und vollständig glatt.
  • Kirsch- oder Cocktailtomaten enthalten zwei Fruchtkammern und sind ebenfalls glatt und rund.

Weniger zum Frischverzehr als für die Verarbeitung eignen sich Eier- oder Romatomaten. Sie haben eine längliche Form, enthalten weniger Wasser und schmecken aufgrund des höheren Stärkegehaltes etwas mehlig.

Paprikatomaten sind Sorten, die ähnlich wie Paprika innen hohl sind. Sie eignen sich hervorragend zum Füllen.
Der Wuchshabitus gibt eine weitere Einteilung vor: Stabtomaten sind Sorten, die so stark in die Länge wachsen, dass sie eine Stütze benötigen. Im Gegensatz dazu hören Buschtomaten nach vier bis fünf Fruchtständen auf, in die Länge zu wachsen.

Einteilungskriterien für TomatensortenFoto: cut/Adobe Stock

 

Empfehlenswerte Tomatensorten

Die Tabelle mit den Empfehlenswerten Tomatensorten können Sie hier runterladen:

Tabelle_Empfehlenswerte Tomatensorten.pdf

 

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