• Kleingartenwesen

Die Schule der Demokratie

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Offene KommunikationFoto: aradaphotography/Adobe Stock Auf der Jahreshauptversammlung sollte immer eine offene Aussprache stattfinden.

In diesen Wochen finden wieder zahlreiche Jahreshauptversammlungen, Delegiertenkonferenzen oder Vertreterversammlungen in unseren Vereinen statt. Auf ihnen werden hunderttausende Kleingärtnerinnen und Kleingärtner gemeinsam mit ihren Vorständen über den Zustand ihrer Vereine debattieren und Entscheidungen für die Zukunft treffen.

Dabei geht es mal mehr, mal weniger harmonisch zu. Oftmals ist es für alle Beteiligten nicht ganz einfach, alle persönlichen Wünsche, Vorstellungen und Überzeugungen durch Anträge oder in Diskussionen in einen Beschluss zu fassen, dem die Mehrheit zustimmen kann. Aber trotz dieser Schwierigkeiten: Das gemeinsame Entwickeln eines Beschlusses, der von allen getragen wird, ist gelebte Basisdemokratie, ohne die unsere Vereine, unsere Gesellschaft nicht das wären, was sie sind.

Misstrauen nach Abstimmungen

Wie so oft, sieht die Realität nicht immer so aus, wie wir es uns wünschen. Oft gibt es knappe Entscheidungen, bei denen sich zwei fast gleich große Gruppen unversöhnlich gegenüberstehen und es zu keiner Einigung kommt, die alle nachvollziehen können.

Knappe Entscheidungen können spaltenFoto: LStockStudio/Adobe Stock Knappe Entscheidungen können zu Spaltungen führen.

Das macht allen Probleme: Für die Vorstände ist es schwierig, diese knappen Entscheidungen umzusetzen. Bei den „Unterlegenen“ lösen die Abstimmungen Unmut und Misstrauen aus: „Kann ich meinem Vorstand vertrauen? Will er seine persönlichen Ziele durchsetzen? Die stecken doch alle unter einer Decke!“, sind oft gehörte Äußerungen nach Mitgliederversammlungen.

Knappe Entscheidungen belasten unsere Demokratie gewaltig und führen zu möglichen Spaltungen, Misstrauen und Vorurteilen und falschen Anschuldigungen. Die Wurzeln dafür liegen meiner Erfahrung nach oft in einer ungenügenden Vorbereitung von Entscheidungen und Mängeln in der Kommunikation mit den Mitgliedern, gepaart mit fehlender Transparenz.

So könnte es gehen

Dabei ist es doch eigentlich so einfach! Der Vorstand eines Vereins teilt mit der Einladung zur Jahreshauptversammlung die Themen mit, über die gesprochen und entschieden werden soll. Sinnvollerweise sind es die Themen, über die im Verein bereits seit längerer Zeit gesprochen wird und die von einer Mehrheit als wichtig erkannt worden sind.

Er übermittelt den Mitgliedern ebenfalls rechtzeitig schriftlich, wie er eine Thematik sieht und welche Entscheidungsvorschläge er hat. Bestenfalls bringt er seinen Beschlussvorschlag als Antrag mit einer ausführlichen Begründung ein. Entsprechend der meisten Satzungen haben danach Gruppen von Mitgliedern die Möglichkeit, eigene Anträge mit Begründung zu formulieren und in die Versammlung einzubringen.

Die Versammlung lässt auf dieser Grundlage eine offene Aussprache zu und einigt sich – durch einen kompetenten Versammlungsleiter moderiert – auf eine der vorgeschlagenen Lösungen. Das muss nicht immer die Lösung sein, die ein Vorstand als beste Lösung erachtet. Aber genau das ist Demokratie! Die besseren Argumente müssen Mehrheiten überzeugen!

Gemeinsame EntscheidungenFoto: matho/Adobe StockMitmachen statt meckern

Ein solch demokratischer Prozess setzt allerdings voraus, dass möglichst viele Mitglieder ihre Rechte wahrnehmen, etwa an den Versammlungen teilnehmen, ihr Antrags- und Rederecht oder ihr aktives und passives Wahlrecht wahrnehmen. Jedes Mitglied hat so die Möglichkeit, an der Zukunft seines Vereins aktiv mitzuwirken!

Dabei gehört es zur Demokratie, dass die Findung von Stimmen- und Meinungsmehrheiten innerhalb des Vereins geführt wird und nicht mit unlauteren Mitteln von außen. Eine funktionierende Demokratie dürfen wir nicht nur von der großen Politik einfordern, sondern sollten sie auch in unseren „kleinen“ Kleingartenvereinen leben und demonstrieren. So wird jeder Verein zu einer lebendigen Schule der Demokratie!! Wirken Sie aktiv am demokratisch organisierten Gemeinwesen mit! Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne eine ergebnis- und erfolgreiche Jahreshauptversammlung.

Gert Schoppa
Präsident des Landesverbandes
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