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Gärtnern in der Stadt

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Gärtnern in der StadtFoto: Kleinworth Gärtnern in der Stadt macht glücklich und bietet Gestaltungsfreiheit in der Gemeinschaft – nur im Kleingarten ist das möglich.


Vom „Urban Gardening“ in den Kleingarten

Das Gärtnern hat eine sehr lange Tradition: In Ägypten soll es die ersten Gärten gegeben haben – oder war es in Griechenland? Schön angelegte Gärten waren immer ein Zeichen für eine Hochkultur, eine Zierde, ein Treffpunkt und ein Platz zum Ausruhen.

So haben sich das Gärtnern und die Gartenkultur über die Jahrhunderte stetig weiterentwickelt. Zwischendurch galt es als lästig und anstrengend, doch heute haben die Menschen das Gärtnern wieder entdeckt – und dieses in den verschiedensten Formen und Modellen. Welche Motivation haben Hobbygärtner? Wer sind diese Menschen, und welche Möglichkeiten finden sich heute zu gärtnern?


Unsere Leidenschaft

Wir, die Kleingärtner, haben eine sehr komfortable Art des Gärtnerns gewählt – ausgestattet mit Gartenlaube und eigenem Werkzeug, Wasser und Arbeitsstrom, auf der eigens dafür gepachteten 400 m² großen Fläche. Dieses sogar auf Dauer – so lange, wie jeder will! Unsere Parzelle ist ein Stück Heimat für uns, denn wir identifizieren uns mit dem, was wir aus eigener Hand geschaffen haben.

Uns motiviert die Pracht der früh­blühenden Magnolien, der schmucken Blüten, der duftenden Rosen oder der Leuchtkraft herbstlich gefärbter Blätter einer Felsenbirne. Unsere Leidenschaft gilt dem Aroma der eigenen Stachel- und Johannisbeeren, dem vollen Geschmack der sonnenreifen Erdbeeren, Kiwis oder Trauben und dem frisch gepressten Saft unserer Lieblingsäpfel. Die Vielfalt von frischem und unbelastetem Blatt- und Stielgemüse, die mit Sonnenenergie geladenen Tomaten und Kartoffeln – das alles treibt uns Kleingärtner an.


Gärtnern in der Stadt

Gärtnern ist „in“! Unsere Leidenschaft ist im Trend. So spricht man heute vom „Gue­rilla Gardening“, einer Art „Protestgärtnern“ für den Erhalt grüner Städte. Vielleicht ist das Gärtnern mit politischer Aus­sage, vielleicht aber auch der Wunsch nach frischen Vitaminen aus eigenem Anbau.

Auch die Erkenntnis, dass es garantiert unbelastetes Gemüse nur aus eigenem An­bau geben kann, hat sich im ganzen Land herumgesprochen. Aus dem heimlichen Aussäen von Wildblumen auf öffentlichen Flächen sind so ganze Gemeinschaftsgärten entstanden, die allerdings rechtlich gesehen oft auf wackeligen Füßen stehen.

Das Gärtnern auf diesen Gemeinschafts­flächen im städtischen Bereich wird auch gerne als „Urban Gardening“ bezeichnet. Die Kleingärtner betreiben diese Form des Gartenbaus schon seit mehr als zwei Jahrhunderten, unter dem englischen Namen klingt es aber wohl für viele moderner.


Kommerzielle Anbieter

Der Bewegung des urbanen Gärtnerns sind auch kommerzielle Anbieter wie „Meine Ernte“ oder „Erntezeit“ entsprungen. Das sind Organisationen, die Land von Landwirten pachten, in kleine, meist 45 m² oder 90 m² große Stücke teilen und für viel Geld für den Gemüse- oder Obstanbau weiterverpachten.


Gemüse auf einem MietackerFoto: Kleinworth Hier wird das Gemüse vorgepflanzt: Mietacker eines kommerziellen Anbieters.


Auch hier gibt es „Gartenordnungen“, die es allerdings in sich haben können. Bei „Erntezeit“ heißt es z.B. in der „Nutzungsvereinbarung“: „Wir behalten uns vor, im Fall von verwilderten Beeten fünf Wochen nach Saisonbeginn nach Absprache mit den Beetnutzern ggf. eine Zweitvergabe vor­zu­neh­men.“ Oder „Es dürfen keine auf Dauer angelegten baulichen Maßnahmen erstellt werden.“

Dabei kostet bei „Erntezeit“ eine Fläche von 50 m² immerhin um 175,– Euro Pacht. Bei „Meine Ernte“ müssen für einen kleinen „Gemüsegarten“ mit gerade mal 45 m² für eine Saison lang (Mai bis Oktober) sogar 199,– Euro gezahlt werden, der „Fa­milien-Garten“ mit 90 m² ist mit 369,– Euro noch teurer. Trotz des hohen Preises mieteten nach Auskunft von „Meine Ernte“ im Jahr 2014 über 2000 Gärtner an 24 Standorten einen „Gemüsegarten“.

Bei „Meine Ernte“ und „Erntezeit“ werden 20 bzw. 25 Pflanzenarten von den Landwirten vor­ge­pflanzt! Die Pächter säen und pflanzen also ihr Gemüse normalerweise nicht selbst – auch wenn sie das könnten. Die Pächter übernehmen lediglich die Pflege und ernten später dann „ihr“ Gemüse – mit den zur Verfügung gestellten Gartengeräten.

In den Medien wird diese neue Art des Gärtnerns oft als Alternative zum Gärtnern im Verein gesehen. Sich richtig gärtnerisch ausprobieren geht aus meiner Sicht anders. Auch fehlt es hier an Unterstützung durch den Verein, durch die das Gärtnern erst so günstig und komfortabel wird, ganz abgesehen von der guten Nach­barschaft, die man im Klein­garten hat.

Die Pacht eines Kleingartens ist wesentlich günstiger. Hochgerechnet auf die durchschnittliche Fläche eines Kleingartens (400 m²) müsste dieser dann rund 1400,– („Erntezeit“) bzw. 1700,– Euro („Meine Ernte“) pro Saison kosten!

In einem persönlichen Gespräch mit einem Landwirt, der einen Mietacker ver­pachtet, wurde mir gesagt, dass sich die Pächter erstmal nur ausprobieren wollen. Wenn sie Spaß und Freude am Anbau haben und den Wert von ökologisch angebautem Gemüse erkannt haben, suchen sie sich oft einen Kleingarten. Gerade Familien wechseln demnach in einen Kleingärtnerverein – eine Er­fah­rung, die ich auch schon gemacht habe.


„Urban Gardening“ als Chance


Urban GardeningFoto: Flora Press/Meyer-Rebentisch Das Gärtnern auf Gemeinschaftsflächen im städtischen Bereich wird gerne als „Urban Gardening“ bezeichnet.


Sehen wir die vielseitigen Gartenbewegungen also nicht als Konkurrenz, sondern als Chance. Es gibt viele Formen des Gärtnerns im städtischen Bereich. Aber allen geht es gleichermaßen um den Anbau von frischen und unbelasteten Gartenerzeugnissen und die Freude am Gärtnern.

Wenn dann noch einige „Urban Gar­deners“ Lust aufs Gärtnern bekommen und einen Kleingarten pachten, dann wird aus „Meiner Ernte“ „Unsere Ernte“, und das Gärtnern hat zu einem Miteinander im Verein geführt – mehr geht fast nicht.

Thomas Kleinworth
Geschäftsführer und Fachberater
des LV Schleswig-Holstein der Gartenfreunde

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