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Warum Kinder Kleingärten brauchen

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Kindern im KleingartenFoto: Verlag W. Wächter Ab ins Grüne: Für die Entwicklung von Kindern sind Naturkontakte enorm wichtig.

Clara, Lisa, Emilie und Ylva zögern – sollen sie wirklich in die Brutzwiebeln des Knoblauchs beißen, oder will sie ihre Lehrerin auf den Arm nehmen? Zögerlich beißen sie zu, und ein durchdringender Geruch verteilt sich im „Forschergarten“ der Gartenfreunde Ochtersum in Hildesheim. In den Gesichtern der Schülerinnen weicht die Skepsis purer Überraschung: „Das ist ja scharf – aber lecker“, so das einstimmige Urteil. Ihre Lehrerin von der Neuen Schule Wolfsburg, Fachberaterin Dr. Ste­phanie Mansdotter, lächelt zufrieden: „Die Kinder freuen sich, wenn sie mal etwas in die Hand – oder in den Mund – nehmen können. Sie wollen eigene Erfahrungen machen und nicht immer nur ein Buch in die Hand nehmen.“

Biss für Biss lernen

Ein typisches Beispiel dafür, wie Kinder und Jugendliche in immer mehr Kleingärtnervereinen „Natur erfahren“. In hunderten Schul- und Kitagärten probieren sich Kinder und Jugendliche durch alle möglichen essbaren Blätter, Früchte und Wurzeln, die sie meist selbst angebaut haben. Und Biss für Biss, Samenkorn für Samenkorn, lernen sie etwas über die Natur, das Leben und natürlich die richtige Ernährung.

„Es ist wichtig, diese sinnlichen Erfahrungen zu machen. Wir stellen zunehmen fest, dass Kinder Geschmacksrichtungen nicht mehr richtig wahrnehmen können. Und wenn die Kinder selbst Obst und Gemüse anbauen, sind sie auch eher bereit, dieses zu essen“, so Prof. Dr. Steffen Wittkowske von der Universität Vechta, der sich seit Jahrzehnten mit den Vorteilen von Schulgärten befasst.

Schützen, was man liebt

Wichtiger sei aber ein anderer Punkt, so Wittkowske: „Der Verlust an Biodiversität ist eines unserer größten Probleme. Hier gibt es eine große Notwendigkeit zur Aufklärung und Bildung. Kleingartenanlagen können hier einen ganz besonderen Beitrag leisten. Gärtnern ist ja mehr als Unkraut zu zupfen. Die Erfahrungen mit Pflanzen, Tieren und dem Boden beeinflussen die Persönlichkeitsentwicklung und fördern die Zuwendung zur Natur. Die Kinder erfahren, wie Leben geht. Nur so können sie ein Umweltbewusstsein entwickeln.“

Das ist die Voraussetzung dafür, sich für Umwelt und Natur einzusetzen. Man schützt eben nur, was man liebt und kennt, ist die einfache und zugleich besorgniserregende Erkenntnis. Denn immer mehr Studien belegen, dass die Heranwachsenden mit „Natur“ kaum noch etwas anfangen können. Naturkontakte finden oft nur noch über die Medien statt, was auch daran liegt, dass „Naturerfahrungsräume“ fehlen, in denen die Kinder spielen können. Kein Wunder, dass laut einer Umfrage aus dem Jahr 2015 jedes zweite Kind noch nie auf einen Baum geklettert ist. Psychologen haben herausgearbeitet, wie die fehlenden Naturkontakte die persönliche Entwicklung beeinträchtigen und sich negativ auf Krea­tivität, Verantwortungsbewusstsein und Eigenständigkeit auswirken.

Kindern im KleingartenFoto: Verlag W. Wächter Welches Blatt ist das? Lehrerin Dr. Stephanie Mansdotter von der Neuen Schule Wolfsburg mit Lisa, Emilie, Clara und Ylva im Forschergarten (v.r.).

Die letzten grünen Räume

Kleingartenanlagen sind in den Städten oft die letzten grünen Räume, die in der Nähe von Wohnhäusern, Schulen und Kindergärten geblieben sind. Sie ermöglichen die fehlenden Naturkontakte und bieten Platz zum Gärtnern. Sie sind vielfältiger als die meisten Stadtparks, und nur hier lässt sich der Anbau von Obst und Gemüse nachvollziehen. Im „Forschergarten“ in Hildesheim stellen die Schüler z.B. Substrate aus Fallobst her, lernen Wildbienen zu bestimmen oder machen Limonade selbst. Daneben wird in einem klassischen Schülergarten Obst und Gemüse angebaut.

Nach dem Dürresommer 2018 kommen auch Schüler der höheren Klassen. „Die Kinder haben ‚geschnallt‘, dass wir da auf etwas zulaufen und dass sich das Klima durch Pflanzen verbessert“, so Mansdotter.

Wer möchte, dass die Kinder auch in Zukunft noch wissen, dass Kartoffeln nicht auf Bäumen wachsen, der kommt um die Kleingärten nicht herum. Zu oft werden diese Potenziale noch unterschätzt. Für die Gartenfreunde ist das eine Chance: „Die Umweltbildung ist wichtig, um uns attraktiver zu machen“, so Mansdotter. In Hildesheim hat das funktioniert. Der Verein wurde beim Bundeswettbewerb mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Und auch bei den Schülern kommt das gut an – sie wollen auf jeden Fall weiter gärtnern.

Sören Keller
Verlag W. Wächter

 

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