• Pflanzenporträts

Staudenhibiskus – Blütengiganten im Staudenbeet

Der Staudenhibiskus erobert die Gärten

StaudenhibiskusblüteFoto: mauritius images/Molly Shannon Photography/Alamy

Staudenhibiskus Summer StormFoto: Gärtnerei Bartels ‘Summer Storm’ Kleine Häuschen, umwachsen von Riesen-Blu­men mit lachenden Gesichtern – solche Bilder malen Kinder, so kennt man sie auch vom schwedischen Kin­der­buch­klassiker Pettersson und Findus, und so könnte es bald auch in Ihrem Garten aussehen. Denn diese Glück­li­ches-Zuhause-Riesen-Blume gibt es tatsächlich, zum Pflanzen, Bewundern und Liebhaben – es ist der Staudenhibiskus.

Bis zu 30 cm misst eine Blüte im Durchmesser, das ist vergleichbar mit einem großen Teller. Mit einem Wort: gigantisch. Insbesondere in kleinen Gärten spielt diese Blume dabei mit dem Grö­ßen­kon­trast und bringt ihre Dimensionen gekonnt zur Geltung. Und wir reden beim Staudenhibiskus bei günstigen Bedingungen von 20 bis 30 Blüten pro Tag! Es ist ein wahres Blü­ten­feuer­werk und entlockt seinen Schaulustigen zuverlässig bewundernde Ah- und Oh-Rufe.
 

Vor dem Versumpfen gerettet

In unserer Gärtnerei widmen mein Mann und ich uns seit zwei Jahrzehnten der Zucht und Verbreitung dieser pompösen Staude, die damals noch Sumpfeibisch hieß. Das machte uns den Anfang schwer: Die Kunden schlossen vom Namen auf den Standort und ordneten die Staude dem Wasserrand zu. Dies ist falsch: Auch wenn die Vorfahren aus nordamerikanischen Sumpf- und Marschlandschaften stammen, so sind die heutigen Zuchtformen auf normalem Gartenboden zu Hause – Staunässe vertragen sie nicht einmal mehr besonders gut.

Um den Irrtum aufzulösen, begannen wir „Staudenhibiskus“ auf unsere Ver­kaufs­schilder zu schreiben. Potz Blitz änderte sich der Absatz, unsere Kunden rissen uns die Töpfe förmlich aus den Hän­den. Nach und nach setzte sich der Name auch bei anderen Gärtnereien durch, und so wurde aus einem exotischen Geheimtipp eine allseits beliebte Staude. Kaum ein Schlossgarten oder Bo­tanischer Garten, der heute nicht den Staudenhibiskus bei der Beetgestaltung berücksichtigt, und auch im Privat-Gar­ten­bereich wächst die Fan-Gemeinde stetig.

Dank seiner Robustheit eignet sich der Staudenhibiskus auch für Gartenfreunde, die es nicht jeden Tag in den Garten schaffen. Ein sonniger Standort mit nahrhaftem Boden und genügend Wasser in der Wachstumsperiode sind alles, was man für das Pflanzenglück in freier Erde braucht. Alle Sorten gedeihen auch im Kübel.
 

Kultur in Kürze

  • Pflanzung: ganzjährig möglich, Beet oder Kübel, vollsonniger Standort ideal
  • Boden: durchlässig, humos, nährstoffreich, pH-Wert 7–5,5 (neutral bis schwach sauer)
  • Wasserbedarf: in der blattlosen Zeit nicht gießen, mit wachsender Blattmasse hoher Wasserbedarf
  • Düngen: Starkzehrer, im April/Mai mit organischem Volldünger und Kompost düngen, zusätzlich Urgesteinsmehl (Mineralstoffe) geben
  • Winterhärte: sehr frosthart bis ca. –35 °C, kein Winterschutz notwendig
  • Vermehrung: über Stecklinge oder Aussaat

 

Er schläft immer noch ...

Der Blick auf den botanischen Namen zeigt: Hibiscus x moscheutos gehört zur Gattung Hibiscus in der Familie der Malvengewächse, letzt­lich ist er also ein entfernter Verwandter der Stock­rose. Seine Gattung teilt er mit Gehölzen wie dem Garten-Eibisch (Hibiscus syriacus) und dem Chinesischen Rosen-Eibisch (Hibiscus rosa-sinensis).

Wie bei allen sommergrünen Stauden sterben auch beim Staudenhibiskus im Winter die oberirdischen Pflanzenteile ab. Die trockenen Stängel lassen Sie am besten als Insek­tenquar­tier über den Winter stehen und schneiden sie ­im März/April kurz über dem Erdboden zurück. Im späten Frühling treibt die Pflanze aus dem Wurzelstock neu aus.


Staudenhibiskus Ballet SlippersFoto: Gärtnerei Bartels ‘Ballet Slippers’


Staudenhibisken sind dabei Langschläfer – und zwar ausgiebige! Jeden Mai aufs Neue steht unser Telefon in der Gärtnerei nicht still, weil Gartenfreunde in ganz Deutschland sich besorgt über ihre schlafenden Stauden beugen und Schlimmes vermuten. In den allermeisten Fällen ist die Sorge unbegründet: Staudenhibisken sind einfach spät dran; einzelne, extrem verschlafene Individuen kommen sogar erst im Juni in Gang.

Der späte Austrieb verweist auf die strengen Winter, die die Vorfahren des Staudenhibiskus überdauern mussten, und ist also eigentlich ein Grund für Unbekümmertheit: Selbst –35 °C können diesen robusten Pflanzen nichts anhaben. Wer nicht aus Nervosität seinen schlafenden Staudenhibiskus im Mai ertränkt, kann sich also recht zuverlässig auf eine fantastische Blüte freuen: Von Mitte Juli bis Oktober entfalten sich täglich bis zu 30 Blüten.
 

Eine Art mit vielen Gesichtern

Das Erscheinungsbild kann sich – abhängig von der Sorte – stark unterscheiden. So gibt es mit 100 cm Höhe recht kleine Vertreter, aber auch Sorten, die 2 m hoch werden. Die Form der 8 bis 22 cm langen Blätter variiert ebenso: Sie können eiförmig, lanzettlich oder auch gelappt ausgeprägt sein. Ihr Farbspektrum reicht von Hellgrün über Kupferfarben bis rötlich Violett. Bei einigen Arten sind die Blätter glatt, bei anderen an der Unterseite samtig behaart.


Staudenhibiskus Holy GrailFoto: Flora Press/Visions ‘Holy Grail’


Die Blüten sind weiß mit rotem Zentrum über Rosa bis hin zu Dunkelkarmin. Die zwittrige Blüte besteht aus fünf Blütenblättern. Sie kann stark gerüscht, schalenförmig oder stark zurückgeneigt sein. Die Blüten eignen sich dabei nicht nur als essbare, spektakuläre Dekoration für Salate, sondern ergeben frisch aufgebrüht einen schmackhaften und Vitamin-C-haltigen Tee.
 

Die Nachfahren des Lords

Den Anfang machte ‘Lord Baltimore’. So nannte der Botaniker Robert Darby die erste Sorte, die im Jahr 1950 seinen Zuchtversuchen zwischen den in den Mooren Marylands gesammelten Wildarten Hibiscus coccineus und Hibiscus leavis und Hibiscus palustris und Hibiscus moscheutos entsprang. Damit begann der weltweite Siegeszug des Blütenwunders.

Die Menschen im blütenverliebten Japan waren schnell hypnotisiert, doch auch kleine Bio-Gärtner in Europa feierten die bienenfreundliche, essbare und winterharte Extremstaude. Neue Züchter schufen weitere Sorten.

Von allen Züchtern sind vor allem die Fleming-Brüder aus Lincoln, Nebraska, herauszustellen. Die drei aus einer Botaniker-Familie stammenden leidenschaftlichen Gärtner züchteten mehr als 50 Jahre lang Staudenhibiskus und schufen wahre Klassiker wie die fantastische weißblütige ‘Old Yella’ oder den ‘Kopper King’.

Weitere empfehlenswerte Sorten
Merkmale (Blütenfarbe)
‘Cranberry Crush’ kirschrot, schalenförmig, dunkelgrünes Laub,
ca. 100 cm hoch
‘Ballet Slippers’ weiß, rosarote Blütenränder, hell- bis mittelgrünes Laub,
ca. 120 cm hoch
‘Little Prince’ kräftig rosa, Perlmutt-Effekt, grünes Laub,
80–100 cm hoch
‘Holy Grail’ tiefrot mit dunklem Zentrum, mahagonifarbenes Laub, 
ca. 120 cm hoch
‘Sultry Kiss’ magentarote Blüten, grünes Laub mit violetter Einfärbung,
ca. 160 cm hoch
‘Old Yella’ reinweiß mit rotem Zentrum, leicht gerüscht, grünes Laub,
ca. 170 cm hoch
‘Summer Storm’ weiß-rosa Blüten, rosa ­geädert, burgunderfarbenes Laub,
120–160 cm hoch
‘Fireball’ scharlachrot, grünes, hanfblattähnliches Laub, 
ca. 180 cm hoch


StaudenhibiskusFoto: Marc/Adobe Stock


Der König aller

‘Kopper King’ war unsere erste Liebe, der erste Staudenhibiskus, der in unsere Gärtnerei einzog. Wir entdeckten ihn im Sommer 2004 zwischen Tausenden anderer Pflanzen auf einer gigantischen Pflanzenschau in den Niederlanden – und wir waren sofort begeistert.

Er ist wahrhaft der König aller Staudenhibisken, majestätisch ist allein schon die Dimension seiner im Durchschnitt 30 cm großen Blüte. Sie entfaltet sich aus einer rosafarbenen Knospe heraus in herrlichem Weiß mit kirschrotem Auge. Reizvoll ist die Kombination mit dem kupferrotbraunen Laub.
 

Staude - StaudenhibiskusFoto: mauritius images/Ernst Haider/Alamy Stock Photos
 

Für heißes Klima gewappnet

Auch heute bringt die Zucht spannende Neuheiten auf den Markt. In unserer kleinen Gärtnerei kultivieren wie inzwischen mehr als 60 Sorten. Die folgenden drei sind aus einem ganz besonderen Grund sehr empfehlenswert: Den Züchtern ist es gelungen, die Blühzeit der einzelnen Blüten zu verlängern. Hält die Blüte der alten Sorten nur einen einzigen Tag, so kommen die Blüten nun auf zwei, teils drei Tage. Auch werden heiße Winde besser toleriert. Der Trick ist die Form der Blütenblätter, eine leichte Wellung macht sie widerstandsfähiger. Und auch wenn die alten Sorten dafür jeden Tag neue Blüten produzieren, so ist es doch schön, länger etwas von den Blüten zu haben.
 

Heute so, morgen so ...

Ein kleiner Zauberer ist die Sorte ‘Cherry Choco Latte’: Je nach Witterung ziehen sich ganz unterschiedlich viele magentafarbene Adern durch das Weiß der Blüte, die sich in großen Rüschen romantisch faltet. Von einem Tag auf den anderen wirkt der Staudenhibiskus somit wie verwandelt, mit jedem Wetterwechsel hat man eine neue Pflanze!

Dabei sitzt die farbenfrohe Blüte auf geheimnisvoll dunkelolivgrünem Laub, das im Sonnenstrahl bronzefarben glitzert. Ein besonders großes tiefrotes Auge sorgt für sofortigen Blickkontakt. Ab August öffnet die Staude in großer Anzahl ihre Knospen. Auf ca. 160 cm Höhe und ca. 140 cm Breite zeigt sie von oben nach unten üppigen Blütenansatz.


Staudenhibiskus Cherry Choco LatteFoto: Gärtnerei Bartels ‘Cherry Choco Latte’


Die etwas verrückte Hecke

Wer sich den Mars schon einmal durch ein Teleskop angesehen hat, weiß, dass er im weiten, dunklen Weltraum wie eine rote Kugel erscheint. Ein ähnlich spektakuläres Bild entsteht, wenn die Neuzüchtung ‘Mars Madness’ in Blüte steht. Überlappende Blütenblätter in leuchtend warmen Rottönen kontrastieren mit großen dunkelolivgrünen Blättern mit kupferfarbenen Akzenten.

Etwas „verrückt“ ist dabei sein enormes Breitenwachstum: bis zu 2 m – ein echtes Alleinstellungsmerkmal! Mit seinen 140 cm Höhe ist ‘Mars Madness’ auch als Begrenzung gut geeignet.
 

Romantischer Herzensbrecher

Einen vollkommen anderen Charakter hat die sinnliche Schönheit ‘Evening Rose’. Tiefviolette Blätter treffen auf lebhaft pinkfarbene, gekräuselte Blüten. Die Höhe beträgt 160 cm, die Verzweigung ist prächtig, der Knospenansatz kräftig.

Eine einzelne Staude wirkt schon fabelhaft, doch auch in Gruppen oder sogar als Hecke können Sie ‘Evening Rose’ pflanzen. Im Beet passt sie harmonisch zu blauen Stauden wie Storchschnabel (Geranium), rosa und weißem Schleierkraut (Gypsophila), auch Gräser sind gute Begleiter. Kombiniert man ‘Evening Rose’ mit Stauden in Gelb- und Orangetönen, etwa Mädchenauge (Coreopsis) oder Scheinmohn (Meconopsis cambrica), ist der Anblick lebhaft und fröhlich.

Beatrice Bartels-Vogt
Gärtnerei Bartels, Delmenhorst

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