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- Anzeige - Was die Wildbiene will

Gras ohne Maniküre

Frühling

Die erste Sommerwiese, an die ich mich erinnere, war so hoch, dass ich mich darin verstecken konnte. Gräser und Blumen reichten mir bis über die Taille, manche bis an die Ohren. Ich war fünf Jahre alt. Wenn ich mich hinhockte, wurde ich unsichtbar. Es duftete, es zirpte und summte. Golden gesprenkelt, rot getupft, hier und da ein blauer Punkt – es war eine Welt für sich. 

Was die Wildbiene will Bild zum Vergrößern anklicken Solche wilden Wiesen sind selten geworden. Das ist nicht nur für Kinder ein Verlust, sondern auch für Tiere wie Wildbienen, Schmetterlinge, Hummeln – alles un­ver­zicht­bare Geschöpfe, um den Kreislauf der Natur aufrechtzuerhalten. Der Rückgang des Insektenbestands alarmiert Naturschützer weltweit. Aber man kann etwas dagegen tun, auch als Einzelner. Im Großen, wie die bayerischen Bürger, die sich mit einem Volks­be­geh­ren zur Artenvielfalt durchsetzten. 

Oder im Kleinen, indem man dafür sorgt, dass Insekten Nahrung finden – und im Garten das anpflanzt, was sie gern mögen: Wildblumen und -kräuter, wie sie früher auf Wiesen gediehen. Wiesenmargerite, Wiesenglockenblume, Wiesenklee, aber auch Spitzwegerich, Hornklee und die Acker- Witwenblume gehören dazu.


Gärtnern kann die Welt retten

Buch - Was die Wildbiene will Bild zum Vergrößern anklicken Der britische Biologe und Hummelexperte Dave Goulson behauptet gar, Gärtnern könne die Welt retten. Vielleicht ist es nicht gleich die ganze Welt, aber folgt man Goulson, doch ein erheblicher Teil davon: eben die bedrohten heimischen Pflanzen und Insekten und damit auch die vielen Vögel, Igel, Maulwürfe, die allesamt auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen sind. 

Goulsons Rezept klingt ganz einfach und einleuchtend: Pestizide weglassen, etwas weniger ordentlich sein im Garten, allzu exotische Pflanzen meiden. Dann bietet der heimische Garten den so bedeutsamen Kreaturen, vom Regenwurm bis zum Schmetterling, wieder ein Zuhause. 

Bei der Gestaltung unseres Gartens hatte ich fast freie Hand. Mein Mann wusste nur, was er nicht wollte: Rasen. Eine gepflegte Rasenfläche stellt für ihn den blanken Horror dar, eine ästhetische Katastrophe, spießig zudem, ganz schlimm, schlimmer sind eigentlich nur noch getrimmte Buchsbäume.


Blühwiese statt Maniküre

Buch Barbara Supp Bild zum Vergrößern anklicken Ich konnte ihn beruhigen. Auch ich bin kein Fan von solch streng manikürter Natur. Man muss ein Vermögen in die Anlage, Pflege und den Erhalt so eines Rasens investieren, damit sich weder ein Gänseblümchen, geschweige denn ein Löwenzahn darauf findet, von Moosen gar nicht zu reden. Oft geht das nur mit chemischen Mitteln zur Ausrottung von Kraut aller Art. Für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge ist dieses Grün gänzlich nutzlos, weil es hier eben nichts gibt – außer beschnittenes Grün.

Die Lösung schien ganz einfach: eine Blühwiese. Ab Mai stehen in einem Teil unseres Gartens kniehohe Gräser, ein paar Wildblumen und – so die Saat aufgeht – Mohnblumen. Letztere weigern sich allerdings recht beharrlich; der schwere lehmige Boden gefällt ihnen nicht. Wir haben inzwischen schon einige Eimer Sand verteilt und eingeharkt, um den Boden abzumagern. Das Projekt Blühwiese ist noch nicht abgeschlossen. 

Die kleine Wildwiese erfüllt nicht nur nostalgische Bedürfnisse. Sie ist auch hübsch anzuschauen und außerdem extrem pflegeleicht. Statt einmal die Woche mäht man nur ein- oder zweimal im Jahr. Sie darf nicht gedüngt werden, und wenn die Gräser und Blumen eine gewisse Größe erreicht haben (so 20 Zentimeter meiner Erfahrung nach), sind sie recht trockentolerant, es muss also nicht gewässert werden.


Pragmatisch, heimisch, schön

Schnecken Bild zum Vergrößern anklicken Dabei harmoniert der Anspruch des Na­tur­schutz­profis, möglichst viel heimisches Grünzeug zu fördern, mit meinem Prag­ma­tis­mus und Sinn für Ästhetik: Eine Staude, die seit Jahrtausenden in Norddeutschland überlebt hat, ist widerstandsfähiger als ein Zitrusgewächs, das aus dem Mittelmeerraum stammt. Heimische Pflanzen kommen zwar nicht ohne Pflege aus, aber der Aufwand ist überschaubarer. 

Dass Gärtnern gesund und glücklich macht, ist bekannt. Die frische Luft, die Bewegung – Gartenarbeit wird als Gesundheitstraining von Krankenkassen empfohlen. Studien belegen, dass Menschen mit Gärten, in denen sie sich auch betätigen, länger leben als solche ohne. 

Und jetzt darf man sich auch noch als besserer Mensch fühlen, wenn man seinen Garten na­tur­nah gestaltet. Herrlich. Gutes zu tun – das macht ja auch glücklich. Aber ganz ehrlich: So hoch sind meine Ansprüche gar nicht. Mein Gartenglück ist viel kleiner, egoistischer. Meine Freude rührt zum Beispiel daher, dass ich vollkommen selbstbestimmt wirken kann. Ich bestimme, welche Farben das Bild dominieren sollen, welche Pflanzen wo stehen. 

Zumindest versuche ich das. In Wahrheit macht die Natur ja, was sie will. Und ich schaue ihr gerne dabei zu.

(ks)

Entdecken Sie weitere Kolumnen von Barbara Supp und Katharina Stegelmann in ihrem Buch „Der Wurm drin. Ein ehrliches Buch übers Gärtnern“!

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