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Leben in komplizierten Verhältnissen: Blattläuse

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Permanente Tapetenwechsler

Blattläuse sind permanente Tapetenwechsler. Ihnen wurde der Wandertrieb sozusagen in die Gene gelegt. Korrekt ausgedrückt wechseln sie nicht Wohnungen, sondern Wirte. X-beliebige aber dürfen es nicht sein. Und winters andere als sommers.

Bezeichnungen wie Getreidelaus, Traubenkirschenlaus, Maisblattlaus, Kreuzdornlaus, Faul­baum­laus, Kartoffellaus, Apfelblattlaus, Lupinenblattlaus oder Bohnenlaus informieren über Vorlieben einzelner Arten für pflanzliche Aufenthaltsorte. Aber richten wir unser Augenmerk exemplarisch auf die höchst abwechslungsreiche Lebensgeschichte einer Grünen Pfirsich­blatt­laus, Myzus persicae, samt nächster Verwandtschaft.


Im Portrait: die Grüne Pfirsichblattlaus

Den Winter über sehen wir sie im Eistadium auf einem Pfirsichbaum hocken, einige haben sich auf den Bocksdorn am Bahndamm zurückgezogen. Mitte März schlüpfen die Stammmütter aus ihren Eiern.

Die Larven, kaum erkennbar und dunkelgrün, wandern, auf der Nahrungssuche, zu den Knospen. Fünf, bei ungünstiger Witterung auch mehr Wochen dauert die Entwicklung zum fort­pflan­zungs­fähi­gen Tier. Zehn bis 15 Larven setzt dann eine Stammmutter ab, Larven, die schon nach maximal 16 Tagen geschlechtsreif sind.

Zwei bis vier Generationen – teils geflügelt, teils ungeflügelt – wachsen auf dem Winterwirt auf. Die Geflügelten verlassen den Pfirsichbaum im April, sie wandern ab zu Sommerwirten. Ihr Abflug führt nur bei Windstille zum Erfolg; schon 6 km/h Windgeschwindigkeit bringen Blattläuse aus dem Gleichgewicht.

Passiv aber, von kaum spürbaren Warmluftströmungen getragen, können sie große Ent­fer­nun­gen überwinden. So kommt es, dass sie auch weit entfernt von ihren Winterquartieren krautige Pflan­zen, Kartoffeln, Rüben und etliche andere Gemüsearten besiedeln.

Auf den Sommerwirten entstehen zunächst mehrere Generationen ungeflügelter Jungfern. Je günstiger die klimatischen Bedingungen, desto effektiver ist die Vermehrung. 24 °C Tages­tem­pe­ra­tur sind ideal, 28 °C schon zu viel des Guten. Aus einer Jungfer gehen 30 bis 35 Larven hervor, die innerhalb von acht bis elf Tagen erwachsen werden.

Ab Mitte Juni sind in Blattlauskolonien Tiere mit Flügelansätzen, Nymphen, zu entdecken, die sich bei der nächsten Häutung zu flugfähigen Morphen mausern. Den Sommer werden alle nicht überdauern.

Erst ab Mitte September ungefähr entstehen die Rückwanderer, Gynoparen genannt; sie steuern, und damit schließt sich beinahe der Jahreskreis, den artgerechten Winterwirt an, um dort aus­schließ­lich weibliche Larven, Oviparen, hervorzubringen. Etwas später treffen auf dem Pfirsich­baum geflügelte Männchen ein, welche die mittlerweile geschlechtsreifen Oviparen befruchten.

Jedes Weibchen legt zwischen Oktober und Dezember bis zu zehn Eier ab, zunächst schimmern sie hellgrün, dann glänzend schwarz und sind (bei allem Verständnis für die Bedürfnisse von Marien­kä­fer & Co) leider, leider ausgesprochen frostresistent.

Brigitte Roßbeck

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