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Gärtnern mit Insektenschutznetzen

Schlagworte zu diesem Artikel:
  • Netz, Raupen, Läuse, Beet, Schädlinge, Schädlingsbefall, Schutz

Netze richtig auslegenFoto: mauritius images/Mim Friday/Alamy

Sie bauen Ihr Gemüse möglichst naturnah an, achten auf die Fruchtfolge, resistente Sorten und gesunden Boden? Trotzdem kann ein Schädlingsbefall in Ihrem Gemüsebeet große Schäden verursachen. Die Bandbreite reicht von durchlöcherten Keimblättern an Radieschen über Raupenfraß bei Kohl bis zu „wurmigen“ Möhren. Besonders bei Keimlingen sorgen Gemüsefliegen in manchen Jahren sogar für einen Totalausfall. Damit es nicht so weit kommt, können Sie vorbeugend Kulturschutznetze einsetzen.

Nützliche Netzwerke

Mit sehr feinmaschigen Netzen lassen sich Ihre Gemüsekulturen gegen etliche Schädlinge schützen. Sie werden damit von ihrem Lieblingswirt ausgesperrt, erhalten also quasi „Lokalverbot“. Bei Insekten verhindern Netze die Eiablage und Fraßschäden durch Raupen und Maden. Auch Rehe, Hasen oder Vögel werden daran gehindert, sich über das frische Grün herzumachen.

Gegen Hagel und Starkniederschlag bieten die Netze ebenfalls einen gewissen Schutz. Ähnlich wie Vlies beeinflussen sie zudem den Wasserhaushalt sowie die Temperatur des Bodens und der bodennahen Luft positiv. Das fördert eine schnelle Pflanzenentwicklung, bedeutet aber auch ein erhöhtes Risiko für Pilzinfektionen.

Material und Maschenweite

Schutz vor Raupen und LäusenFoto: JakschKulturschutznetze werden überwiegend aus UV-stabilisiertem Polyethylen (PE), seltener aus Baumwolle hergestellt, da Baumwollnetze weniger haltbar sind. Stabile Polyethylen-Netze haben eine Nutzungsdauer von fünf bis sieben Jahren, wenn sie schonend behandelt und dunkel und trocken gelagert werden.

Überwiegend werden Netze mit der größeren Maschenweite (1,35 x 1,35 mm) genutzt. Sie eignen sich für die Abwehr von Schmetterlingen wie Kohlweißling und verschiedenen Gemüsefliegen. Die Lüftungsfläche sowie die Lichtdurchlässigkeit liegen hier bei vergleichsweise guten 75 %, d.h. dass etwa ein Viertel des Lichts am Netz reflektiert wird.

LausFoto: mauritius images/Edward Phillips/AlamyNetze mit der engeren Maschenweite (0,8 x 0,8 mm) wehren zusätzlich sehr kleine Schädlinge wie Minierfliege, Erdfloh, Thrips, Blattlaus und Weiße Fliege ab. Auch den neuen Problemschädling im Obstbau, die Kirschessigfliege, können 

Sie damit aussperren. Engmaschige Netze sind aber etwas schwerer und weniger luft- und lichtdurchlässig, daher sollten Sie den Einsatz auf Kulturen, die von sehr kleinen Schädlingen befallen werden, be­schränken.

So legen Sie die Netze aus

Sie schützen Ihre Gemüsekulturen nur sicher, wenn Sie mit einer rundum geschlossenen Netzabdeckung die Eiablage an die Wirtspflanzen verhindern. Das funktioniert nur mit intakten Netzen ohne Löcher oder Laufmaschen sowie einem rundum dichten Randabschluss zum Boden. Hierzu können Sie z.B. die Netzkanten mit Erde, Steinen, Brettern oder Holzlatten beschweren.

Auch eine gute Fruchtfolgeplanung trägt wesentlich zum Erfolg bei. Sind Entwicklungsstadien von Thrips, Erdfloh oder Bohnenfliege aufgrund mangelnden Fruchtwechsels bereits zu Kulturbeginn im Boden vorhanden, können sie sich unter dem Netz ungestört und stark weiterentwickeln.

Bedecken Sie die Gemüsebeete daher unbedingt termingerecht, d.h. bei Direkt­saat am besten sofort nach der Aussaat (v.a. bei Bohnen), spätestens aber vor dem Auflaufen der Sämlinge. Jungpflanzen soll­ten Sie unmittelbar nach dem Pflanzen überdecken. Da es auch schon während der Anzucht der Jungpflanzen, z.B. im Kleingewächshaus, zu Schädlingsbefall kommen kann, sollten Sie die Setzlinge vor dem Auspflanzen genau kontrollieren. Das be­trifft natürlich auch gekaufte Jungpflanzen.

Eine Startdüngung mit festen organischen oder mineralischen Düngern führen Sie am besten vor dem Abdecken der Beete durch. Flüssigdünger können Sie hingegen laufend mit dem Gießwasser durch das Netz hindurch ausbringen.

Sie dürfen die Kulturschutznetze nicht zu straff auflegen, damit sie mit der Kultur nach oben „wachsen“ können. Vor allem Salat, Lauch, Zwiebel und Sellerie reagieren empfindlich auf Einengung. Wählen Sie daher ausreichend breite Netze, sodass Sie mit der zunehmenden Wuchshöhe der Kulturen noch genügend Material nachlassen können.

RaupeFoto: Ruckszio/Adobe StockUm die nötige Mindest-Netzbreite für ein Beet zu ermitteln, addieren Sie zu der Beetbreite die doppelte zu erwartende Wuchshöhe der Kultur und 20 cm hinzu. Bei einer im Garten üblichen Beetbreite von 120 cm brauchen Sie z.B. für Salat eine Netzbreite von 180 cm, für höhere Kulturen wie Porree etwa 240 bis 260 cm. Entweder legen Sie die Netze direkt locker auf die Gemüsepflanzen auf oder Sie spannen sie über Metallbögen oder selbst gefertigte Lattenrahmen – dann benötigen Sie ggf. noch breitere Netze.

Die höhere Feuchtigkeit und Temperatur unter dem Netz fördert auch den Wuchs der Beikräuter. Wenn Sie die Reihen durchziehen oder eine Kopfdüngung ausbringen wollen, müssen Sie die Abdeckung kurzzeitig entfernen. Das erledigen Sie am besten morgens – in der Morgenkühle sind viele Insekten noch nicht flugaktiv, somit ist die Gefahr einer Eiablage geringer.

In den sonnigen Mittagsstunden sollten Sie das Netz nicht abnehmen, weil em­pfind­liches Laub sonst durch Sonnenbrand geschädigt werden kann. Nachdem Sie al­le nötigen Arbeiten erledigt haben, decken Sie die Beete möglichst schnell wieder zu.

Bis zur Ernte oder nicht?

Schutz vor SchädlingeFoto: Bart/Adobe StockBei manchen Gemüsearten wie Chinakohl, Rettich, Radieschen, Rucola und Salat ist eine Bedeckung bis zur Ernte üblich. Bei anderen, wie Kopfkohl, reicht es oftmals, gegen die Kohlfliege nur in der besonders empfindlichen Jugendphase, also in den ersten sieben Wochen, Netze aufzu­legen. Um aber einen Schutz gegen Kohlraupen oder die Mehlige Kohlblattlaus zu errei­chen, kann ei­ne länge­re Bedeckung auch bei Kohl nötig sein.

Im Hochsommer kann es sinnvoll sein, die Netze früh­zeitig abzunehmen, wenn hohe Temperaturen Wachstum und Qualität beeinträchtigen. Bei z.B. Blumenkohl oder Broccoli verringern oder verzögern zu hohe Temperaturen den Blumenansatz. Hier kann eine frühe Netz­abnahme vier bis fünf Wochen nach dem Pflanzen Vorteile bringen.

Bei Salat ist spätestens ab Ende April mit einem Zuflug der Blattläuse von den Winterwirten zu rechnen, und die Netze bleiben meist bis zur Ernte auf den Beeten. Im Sommer sind aber bei hohen Temperaturen auch nachteilige Auswirkungen wie eine lockere Kopfbildung sowie eine nur blasse Ausfärbung bei bunten Salaten möglich. Doch trotz dieser kleinen Einschränkungen ist der Einsatz von Schutznetzen im Gemüsegarten ein lohnenswerter Tipp.

Thomas Jaksch
Dipl.-Ing. Gartenbau (FH),
ehemaliger Betriebsleiter Gemüsebau Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

 

Welches Netz gegen welchen Schädling?

Gemüseart
Maschenweite
1,35 x 1,35 mm
Maschenweite
0,8 x 0,8 mm
Kohlarten Kohlweißling, Kohleule, Kohlmotte, Kohlfliege Mehlige Kohlblattlaus, Thrips, Kohlmottenschildlaus, Kohltriebrüssler, Kohlgallenrüssler, Kohldrehherzmücke, Erdfloh
Rettich, Radieschen Kohlfliege, Rettichfliege Erdfloh
Rucola   Erdfloh, Blattlaus
Möhren, Sellerie, Fenchel Möhrenfliege Möhrenminierfliege, Mehlige Möhrenblattlaus
Lauch, Zwiebeln, Schnittlauch Lauchmotte, Zwiebelfliege Zwiebelminierfliege, Thrips
Bohnen Bohnenfliege (= Wurzelfliege, Bohnensaatfliege) Thrips, Schwarze Bohnenblattlaus
Salat   Blattläuse

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