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Nützlinge im Porträt: Schwebfliegen

Fleißige Blütenbestäuber

Schwebfliegen weisen nicht die für Wespen typischen Mund­werk­zeuge (Mandibeln) auf, sondern besitzen einen kleinen „Leckrüssel“, über den sie ihre Nahrung leckend und saugend aufnehmen. Sie sind emsige Blütenbesucher. In ungefüllten Blüten finden sie ihre Nahrung, bestehend aus Blütennektar und Pollen. Das macht sie zu bedeutenden Blütenbestäubern.

Während die Nahrung für alle vollentwickelten Schwebfliegen (Ima­gi­nes) gleich ist, ernähren sich die Larven der unterschiedlichen Arten sehr unterschiedlich. Eine Gruppe Schwebfliegenlarven ernährt sich von Pflanzensäften, eine weitere von Schlamm und zerkleinerter organischer Substanz aus Jauche. Andere Larven entwickeln sich auch in Tierkot, aus dem sie ihre Nahrung entnehmen. Rund ein Drittel der Schwebfliegenlarven aber lebt räuberisch und ernährt sich überwiegend von Blattläusen. Auf die Lebensweise dieser in unserem Sinne nützlichen Arten möchte ich hier näher eingehen.


Blattlausfressende Larven

Blattläuse vertilgen die Lar­venFoto: blickwinkel/A. Schulte Mehrere hundert Blattläuse vertilgen die Lar­ven einiger Schwebflie­gen­ar­ten während ihrer Entwicklungszeit. Die Paarung der Schweb­flie­gen erfolgt meistens im Flug, kurz danach sterben die Männchen. Ungefähr drei bis vier Wochen nach der Kopulation legen die Weibchen ihre gerade mal 1 mm großen, länglichen, netzartig strukturierten Eier zielgerichtet in der Nähe von Blattlauskolonien ab. In der Fachliteratur finden sich Angaben, dass ein Weib­chen je nach Schweb­flie­gen­art 500 bis 1000 Eier ablegt. Die Menge der Eier richtet sich nach der Größe der Blattlauspopulation. Je höher die Anzahl der Blatt­läuse, desto mehr Eier werden abgelegt. Eine wirk­lich verblüffende Leistung, die das Insekt hier voll­bringt.

Nach wenigen Tagen schlüpfen winzige fußlose Larven, die weiß-gelblich bis grünlich gefärbt sind. Die Larven sind blind und verjüngen sich zum Kopfende hin. Ein wenig erinnern sie vom Aussehen und von der kriechenden Bewegung her an kleine Nacktschnecken, zumal sie auch mit einer schleimartigen Masse benetzt sind, welche ihnen das Vorwärtskommen erleichtert.

Zur Nahrungsaufnahme schlagen sie blind mit dem Oberkörper herum, bis sie auf eine Blattlaus treffen. Diese wird mit Speichel festgehalten und hoch­ge­ris­sen. Dann schlägt die räuberische Larve ihre Mundhaken in die Beute und saugt sie aus. Die leere Blattlaus­hülle wird einfach weggeschleudert.

Die Larven sind nacht- und dämmerungsaktiv. Acht bis 20 Tage dauert ihre Entwicklung. Die Dauer ist abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Drei Larvenstadien durchlaufen sie in dieser Zeit. Im letzten Stadium hat die Larve eine Größe von 10–15 mm erreicht. Jetzt ist sie ein sehr effektiver Blattlausbekämpfer und vertilgt 50 bis 60 Blattläuse täglich.

Mehrere hundert Blattläuse erbeutet eine Schwebfliegenlarve in ihrem Larvenleben, bis sie sich in der letzten Larvenhaut verpuppt. Die kleinen Puppen sind von tropfenähnlicher Gestalt und kleben an Blättern. Nun dauert es noch ca. sieben bis zehn Tage, bis die Umwandlung (Metamorphose) zum vollständig entwickelten Insekt abgeschlossen ist und eine Schwebfliege die Puppenhülle verlässt.

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